Wirtschaft : Daimler-Anwälte machen peinlichen Fehler

Verfahrens-Panne könnte dem Autokonzern vor Gericht schaden

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Wilmington/Stuttgart (aug/hz/HB). Mit einem Verfahrensfehler hat der Autokonzern DaimlerChrysler als Beklagter im Milliardenprozess in den USA womöglich ein fatales Eigentor geschossen und dem Verlauf der Verhandlung eine neue Wende gegeben. Es müsse geklärt werden, „wie wir in diesen Schlamassel geraten sind“, sagte Richter Joseph Farnan und setzte den Prozess vorerst aus. Die Anwälte des Prozessgegners Kerkorian hoffen jetzt, den Fehler zu ihren Gusten ausschlachten zu können. Das Verfahren wird nach Angaben von Daimler-Chrysler- Anwalt Michael Schell erst im Januar fortgesetzt. Schell sprach von einem „unbeabsichtigten Flüchtigkeitsfehler“.

Zunächst soll nun ein eigens für die Bewertung des neuen Beweismaterials eingesetzter Jurist die Dokumente bewerten. Er wird am Montag vor Weihnachten mit der Arbeit beginnen. Die Konsequenzen für den Prozess sind schwer absehbar. Wenn die Kläger darauf bestehen, könnte selbst Daimler- Chrysler-Chef Jürgen Schrempp erneut vor Gericht zitiert werden. „Wenn Sie es wollen, würde ich es zulassen“, sagte Farnan dem Klägeranwalt Terry Christensen. Der lehnte zunächst ab.

Der Grund des Eklats: Die Daimler-Chrysler-Anwälte hatten in letzter Minute 61 Seiten Beweismaterial des früheren Chrysler-Finanzchefs Gary Valade zu Tage befördert. Die Dokumente seien durch ein Versehen nicht in den Unterlagen der Anwälte von Kirk Kerkorian gelandet, räumte ein Daimler-Sprecher ein. „Das haben offenbar unsere Anwälte verschlampt.“ Der US-Richter hatte dagegen gesagt, die Anwälte treffe wohl keine Schuld. Valade, der noch bis Jahresende im Daimler-Chrysler-Vorstand sitzt, hatte das Material erst am Montagabend auf dem Flug von Detroit nach Wilmington an einen Anwalt des Konzerns übergeben. „Warum habt ihr das bisher nicht benutzt?“, fragte Valade nach Unternehmensangaben. Danach sei festgestellt worden, dass es der Gegenseite und dem Gericht offenbar nicht vorlag. Unter Umständen ein folgenschwerer Fehler: Kerkorians Anwalt Christensen nutzte die unfreiwillige Vorlage und behauptete, Valades Unterlagen könnten alle Aussagen vor Gericht in einem neuen Licht erscheinen lassen. Er zeigte im Gerichtssaal Auszüge von Notizen, in denen von einem „Ausverkauf“ der Führungsebene bei Chrysler die Rede ist. Die Kläger spekulieren zudem darauf, dass das Verfahren wegen der Unterschlagung von Beweismitteln zu Gunsten von Kerkorian entschieden wird.

Rechtsexperten relativierten diese Erwartung allerdings. Der Richter könnte wegen des Versäumnisses Kerkorian nur dann zum Gewinner erklären, wenn Daimler-Chrysler die Beweismittel absichtlich unterdrückt hätte, betonte eine Frankfurter Wirtschaftsanwältin. Kerkorian wittert seine Chance, Schrempp doch noch belasten zu können, nachdem der Prozess bisher für den Milliardär nicht gut gelaufen war. Der einstige Großaktionär von Chrysler verklagt den Autokonzern wegen Betrugs im Zusammenhang mit der Fusion.

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