Wirtschaft : Daimler auf den Tag genau topfit

ALFONS FRESE

Stuttgart ist nicht Detroit und Baden-Württemberg kein Bundesstaat der USA.Deshalb liegt Daimler-Aufsichtsrat Hilmar Kopper natürlich richtig, wenn er eine "Amerikanisierung" der deutschen Managervergütung ablehnt.An den Fakten ändert das wenig.Jürgen Schrempps Einkommen an der Spitze von DaimlerChrysler wird sich gleichwohl vervielfachen.Nicht, daß die kolportierten 20 Millionen D-Mark Peanuts wären.Aber die Explosion der Managergehälter ist nicht mehr als eine Randerscheinung der historischen Fusion, die Maßstäbe für die Autoindustrie setzt.

Daimler-Benz, 1926 aus dem Zusammenschluß von Daimler und Benz entstanden, ist auf den Tag genau topfit.Die wichtigsten Zahlen sind auf Rekordstand, mit glänzenden Dividendenaussichten fiel es den Aktionären leicht, dem Zusammenschluß zuzustimmen.Der neue Partner Chrysler erwirtschaftet heute mit weniger als der Hälfte der Daimler-Belegschaft fast doppelt soviel Gewinn wie die Deutschen - da ist also noch viel Spielraum.Und Spielraum gibt es auch, was die Beschäftigten anbelangt.Schrempps Versprechen, der Fusion fielen keine Arbeitsplätze zum Opfer, trifft wohl weniger die Wirklichkeit als die Prognose eines Aktionärs, der langfristig 100 000 Daimler-Arbeitsplätze verschwinden sieht.

Ist Jürgen Schrempp nun am Ziel, der Daimler-Konzern wohl präpariert für das kommende Jahrhundert? Ganz gewiß, was den Bereich Kraftfahrzeuge anbelangt; bei Pkw und Lkw ist der Konzern aus eigener Kraft Weltspitze und wird nun mit Chrysler noch stärker.Aber bleibt die Dasa unterm Konzerndach? Wie lange wird der Kostgänger Adtranz durchgeschleppt? Und wäre die erfolgreiche Dienstleistungstochter debis nicht reif für die Börseneinführung? DaimlerChrysler bleibt jedenfalls in Bewegung; die gemütlichen, schwäbischen Zeiten sind für immer vorbei.

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