Wirtschaft : Daimler-Benz will 5000 neue Arbeitsplätze schaffen

STUTTGART (dpa/rtr/ADN).Daimler-Benz-Chef Jürgen Schrempp hat vor den Aktionären für das Zusammengehen mit dem US-Hersteller Chrysler geworben."Dies ist ein transatlantischer Brückenschlag, ein Zusammenschluß des Wachstums, und nicht der Rationalisierung", sagte der Vorstandsvorsitzende der Stuttgarter Daimler-Benz AG am Mittwoch auf der Hauptversammlung."Daimler-Benz und Chrysler ergänzen sich ideal".Auf dem Areal der Schleyer-Halle waren nach Unternehmensangaben etwa 14 000 Anteilseigner versammelt - ein Rekord.Sie werden allerdings erst auf einer außerordentlichen Hauptversammlung im Oktober über die Fusion entscheiden.

Kleinaktionärsvertreter begrüßten den größten Industriezusammenschluß aller Zeiten."Schön, daß wir einmal die ersten sind", sagte Dieter Kauffmann vor der Schutzgemeinschäft der Kleinaktionäre.Auch der mögliche Einstieg beim japanischen Lkw-Hersteller Nissan-Diesel (siehe Kasten) wurde begrüßt."Die Aktionäre haben die Sorge, daß der Vorstand zu schnell zu viel auf einmal macht", schränkte Klaus Kessler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz ein."Schon so manche Liebesheirat wurde zur Realitätshölle im Alltag auf Erden", warnte Christian Strenger von der Fondsgesellschaft DWS.Es gab Befürchtungen, das Management könnte nicht ausreichend für den Internationalisierungskurs gerüstet sein.Fragen gab es auch nach den Kosten für die Nachrüstung der A-Klasse und des Smart.Daimler hatte für 1997 Kosten von 400 Mill.DM genannt.

Daimler und Chrysler wollen noch in diesem Jahr den drittgrößten Autohersteller der Welt mit 421 000 Mitarbeitern formieren.Laut Schrempp sollen neue Details dazu erst später mitgeteilt werden, um Aktionärsinteressen zu schützen.Schrempp bekräftigte, es werde keinen Arbeitsplatzabbau geben, weder bei Daimler noch bei Chrysler.Daimler startete gut ins neue Jahr: Der Umsatz stieg - um Firmenverkäufe bereinigt - von Januar bis April um 22 Prozent auf 43,8 Mrd.DM.

Zu den Verhandlungen mit dem japanischen Nissan-Konzern über einen möglichen Einstieg bei Nissan-Diesel sagte der Daimler-Chef am Rande der Veranstaltung: "Die Gespräche laufen sehr gut.Ob es zu einer Kapitalverflechtung kommt, steht im Augenblick noch aus." Die endgültige Entscheidung werde sich sicher noch um einige Monate hinziehen.Daimler-Benz sei an dem Lkw-Geschäft interessiert, jedoch nicht an der Personenwagensparte von Japans zweitgrößtem Autokonzern.

Bei Daimler brummen die Personenwagen auf Hochtouren.Deshalb setzte Schrempp die Umsatzprognose des Konzerns für das Gesamtjahr 1998 nach oben.Erwartet wird jetzt ein Umsatzplus von etwa 13 Prozent auf 140 Mrd.DM, bisher war von einem Plus von acht Prozent die Rede gewesen.Der Betriebsgewinn nach US-Rechnungslegung, der im vergangenen Jahr 4,3 Mrd.DM betragen hatte, soll überproportional steigen.Das wäre ein Betrag von mindestens 4,9 Mrd.DM."Bei der Ertragslage liegen wir bei weitem noch nicht an der Weltspitze", schränkte Schrempp am Rande ein.Der Konzern will im laufenden Jahr 5000 neue Jobs schaffen, bisher waren 4000 neue Stellen angepeilt worden.Zudem würden mehr Ausbildungsplätze eingerichtet und 3300 neue Lehrlinge eingestellt, sagte Schrempp.

Der Pkw-Umsatz stieg von Januar bis April um 23 Prozent auf fast 19,9 Mrd.DM.Daimler-Benz verkaufte in diesem Zeitraum 273 300 Pkw, 25 Prozent mehr als in der Vorjahresperiode.Die nachgerüstete A-Klasse läuft seit Februar vom Band.Über eine Luxuslimousine Maybach solle in den nächsten Wochen entschieden werden.

Die Aktionäre können vom 12.bis 25.Juni an der Kapitalerhöhung teilnehmen.Nach Pfingsten soll dann bekannt werden, wieviele Aktien zum Bezug eines neuen Anteils nötig sind und wieviel für junge Aktien bezahlt werden muß.Wie bereits bekannt, will Daimler mit der Kapitalerhöhung einen Betrag von etwa 7,4 Mrd.DM hereinholen.Zuvor werden 10,3 Mrd.DM aus Gewinnrücklagen und gesparten Steuern ausgezahlt.Dadurch erhalten die Aktionäre am 15.Juni eine Sonderzahlung von 20 DM je Aktie, die zusätzlich zur Dividende von 1,60 (zuvor: 1,10) DM ausgezahlt werden wird.Großaktionäre sind die Deutsche Bank mit etwa 23 Prozent und das Emirat Kuwait mit etwa 13 Prozent.Sie hatten signalisiert, bei der Kapitalerhöhung mitziehen zu wollen.

Bei der Adtranz (Deutschland) GmbH, Berlin, ist keine weitere Kapitalerhöhung geplant.Dies stellte Daimler-Finanzvorstand Manfred Gentz am Mittwoch in Stuttgart klar.Das Ergebnis des Gemeinschaftsunternehmens mit ABB werde 1998 "deutlich besser" als 1997 ausfallen, sagte Gentz.

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