Wirtschaft : Daimler bremst die A-Klasse

Auslieferung wird für zwölf Wochen unterbrochen / Schrempp: "Das ist kein Produktionsstopp"

STUTTGART (dpa).Der Stuttgarter Daimler-Benz-Konzern unterbricht die Auslieferung der bei Tests umgekippten A-Klasse-Fahrzeuge für zwölf Wochen.Für das Auto sei eine völlig neue Fahrwerkabstimmung entwickelt worden, die das Auto auch extreme Manöver problemlos meistern lasse, teilte die Daimler-Benz AG am Dienstag mit. Die Produktion der A-Klasse läuft in Rastatt auf dem derzeit niedrigen Niveau von 200 Fahrzeugen pro Tag weiter.Danach werde die Produktion der A-Klasse im Februar wieder auf 800 Stück pro Tag hochgefahren, sagte Konzernchef Jürgen Schrempp.In der Erklärung heißt es, mit dieser nach intensiven Fahrtests gefundenen Lösung bestehe die A-Klasse auch sogenannte Elch-Tests selbst unter erschwerten Bedingungen.Die Auslieferung von produzierten A-Klasse-Fahrzeugen wird unterbrochen, um die erforderliche Nachrüstung auf eine Mindestzahl von Autos zu begrenzen. Laut Schrempp sollen künftig alle A-Klasse-Fahrzeuge, die an Kunden ausgeliefert werden, mit dem Sicherheitspaket ausgestattet sein.Dazu gehört, wie bereits bekanntgegeben, die Fahrdynamikregelung ESP.Schrempp sagte: "Wir wollen kein Fahrzeug ausliefern, von dem wir heute wissen, daß wir es besser bauen können." Die zusätzlichen Kosten für die A-Klasse einschließlich der Nachrüstung bezifferte Schrempp für 1997 auf 100 Mill.DM.Bisher war für die Umrüstung mit neuen Reifen und das Nachrüsten mit ESP ein Betrag von 50 Mill.DM genannt worden.Für das kommende Jahr rechnete Schrempp mit einer zusätzlichen Belastung von bis zu 200 Mill.DM.Bisher war der Einbau von ESP mit 100 Mill.DM jährlich veranschlagt worden.Schrempp: "Dies heißt nicht, daß wir unsere Ertragserwartungen für 1997 ändern müssen." Im ersten Halbjahr hatte der Daimler-Benz-Konzern einen Betriebsgewinn von 1,85 Mrd.DM erzielt, der nach früheren Prognosen in der zweiten Jahreshälfte noch besser ausfallen soll.Schrempp betonte, es bleibe dabei, daß Daimler-Benz im laufenden Jahr 700 000 Pkw bauen werde. Die bereits an etwa 2600 Kunden in Europa ausgelieferten A-Klasse-Modelle werden in Servicecentern nachgerüstet.Die Kunden können auf Wunsch auch sofort ihre A-Klasse abgeben und erhalten bis zur Umrüstung ein anderes Mercedes-Modell."Das ist kein Produktionsstopp", sagte Schrempp.Er bedauerte die Vorgänge um die A-Klasse."Wir nehmen die öffentlich geäußerte Kritik und vor allem die Sorgen unserer Kunden sehr ernst." Die Debatte der letzten Wochen habe am Image des Konzerns gekratzt, räumte er ein."Deshalb unternehmen wir alles, um das zu korrigieren." Schrempp fügte hinzu: "Niemand bedauert die Vorgänge so sehr wie wir." Der Konzernchef sagte: "Das ist keine Änderung des innovativen Konzepts der A-Klasse, sondern eine weitere Optimierung des Fahrzeugs." Die A-Klasse war vor rund drei Wochen nach einem spektakulären Testunfall in Schweden in die Schlagzeilen geraten.Der Mini-Benz war bei einem scharfen Ausweichmanöver, dem sogenannten Elch-Test, umgekippt.Daimler hatte vor knapp zwei Wochen angekündigt, 1500 bereits ausgelieferte Fahrzeuge mit neuen Reifen auszustatten.Zudem wird die A-Klasse vom Februar 1998 an serienmäßig mit dem Stabilitätsprogramm ESP ausgestattet.Vorher ist dieses System nicht verfügbar. Auf die Frage nach den Verantwortlichen sagte Schrempp: "Wir haben im Hause eine Kultur, die bedeutet, daß wenn Fehler auftreten, die Mannschaft zusammensteht, sauber analysiert und das Problem aus der Welt schafft." Ein Team, das erfolgreiche Autos wie beispielsweise die Mercedes-E-Klasse, das Coupe CLK und den Geländewagen M-Klasse auf den Markt gebracht habe, "hat mein vollstes Vertrauen", sagte der Konzernchef. Pkw-Chef Jürgen Hubbert sagte: "In neuerlichen Tests haben wir weitere Erkenntnisse gewonnen, wie wir das Fahrverhalten in Extremsituationen noch weiter verbessern können.Diese Erkenntnisse wollen wir schnell in der Produktion der A-Klasse umsetzen." Hubbert fügte hinzu, für Mercedes-Benz genüge es nicht, "auf das Niveau der anderen zu kommen".Deshalb rüste Daimler-Benz die A-Klasse zusätzlich serienmäßig mit ESP aus.

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