Daimler : C-Klasse-Verlegung: Unter keinem guten Stern

Das Mercedes-Werk Sindelfingen verliert die C-Klasse an Bremen und Tuscaloosa/USA. Der Betriebsrat greift den Vorstand an.

Alfons Frese

Berlin - Die Vorweihnachtszeit bei Daimler wird konfliktreich. Als Reaktion auf die Verlagerung der C-Klasse zog der Betriebsrat am Mittwoch die Genehmigung von Sonnabend-Schichten zurück und kündigte Abteilungs- und Betriebsversammlungen an, um die Produktionsabläufe zu stören. Die Empörung der Arbeitnehmer richtet sich gegen die Entscheidung des Vorstands, das nächste Modell der C-Klasse nicht mehr in Sindelfingen zu bauen. Betriebsratschef Erich Klemm bezeichnete den Vorstand als „Job-Killer“; die Entscheidung sei „grundlegend falsch und in ihrer Wirkung fatal“, die Konzernführung verfolge eine Mode- Ideologie der globalen Präsenz.

Der Vorstand unter Leitung des Vorsitzenden Dieter Zetsche hatte zuvor beschlossen, die C–Klasse künftig nicht mehr in Sindelfingen fertigen zu lassen. Zetsche zufolge ist das aus „strategisch-wirtschaftlicher Sicht unabdingbar“. Das mengenmäßig starke C-Modell wird derzeit in Bremen, Sindelfingen, China und Südafrika gebaut. 2014, nach dem nächsten Modellwechsel, kommt das Mercedes- Werk in den USA hinzu. Ferner werden dann mehr C-Klasse-Fahrzeuge in Bremen gebaut.

Von Bremen wiederum wird die Montage des Roadsters SL nach Sindelfingen verlagert. Doch das gleicht die dortigen Verluste nicht aus. Im größten Mercedes-Werk arbeiten derzeit knapp 29 000 Personen, davon rund 4000 in der C-Klasse-Fertigung. Gut 2000 von ihnen werden sich künftig mit dem Bau des SL-Roadsters beschäftigen. Für die übrigen 1800 will der Konzern in einem „absolut schlüssigen Personalkonzept“, wie Personalvorstand Wilfried Porth am Mittwoch sagte, Alternativbeschäftigung organisieren, und zwar „im Rahmen verschiedener Maßnahmen“, etwa bei der Entwicklung alternativer Antriebe.

Sowohl Daimler-Chef Zetsche als auch Mercedes-Produktionsvorstand Rainer Schmückle rechtfertigten die Entscheidung gegen Sindelfingen mit der Bedeutung des US-Marktes. Bereits heute sei die C-Klasse das beliebteste Mercedes- Modell in den Vereinigten Staaten und habe dort Wachstumspotenzial.

Die Amerikaner steigen zunehmend auf kleinere und verbrauchsärmere Autos um, und die C-Klasse als Mittelklasse – positioniert zwischen A- und E-Klasse – soll davon profitieren. Die Produktion des Autos in den USA ist Schmückle zufolge rund 2000 Euro pro Fahrzeug günstiger als in Deutschland. Hauptursache ist die längere Arbeitszeit. Der Autobauer in Sindelfingen kommt auf 1350 Stunden im Jahr, im US-Werk in Tuscaloosa wird dagegen 1800 Stunden gearbeitet.

In der Fabrik im US-Staat Alabama werden gegenwärtig von 2800 Beschäftigten die Mercedes-Reihen R-, M- und GL- Klasse gebaut. Mit der C-Klasse wächst das Werk auf rund 4000 Mitarbeiter. In Bremen arbeiten gut 12 000 Personen für Mercedes, an diesem Personalstand wird sich vermutlich auch nicht viel ändern. Der dortige Betriebsratssprecher Jürgen Coors kommentierte die C-Klasse- Entscheidung zwiespältig. Zwar werde Bremen aufgewertet. Gleichzeitig sei die Teilverlagerung der Fertigung in die USA „eine Grundentscheidung, den Produktionsstandort Deutschland zu verlassen“, sagte Coors der Nachrichtenagentur AP. Daimler-Chef Zetsche trat dieser Befürchtung demonstrativ entgegen: „Der Standort Deutschland ist und bleibt das Herz unseres Produktionsverbundes“, ließ er sich in einer Unternehmensmitteilung zitieren.

Produktionsvorstand Schmückle wies indes auf ein Ungleichgewicht hin: Rund vier Fünftel der C-Klasse würden derzeit in Europa produziert, aber nur drei Fünftel abgesetzt. Die Differenz von 20 Prozent werde verschwinden. Künftig, also von 2014 an, sollen noch 60 Prozent der C-Klasse, darunter alle Derivate wie das T-Modell oder Cabrios, aus Bremen stammen; 20 Prozent kommen aus den USA und jeweils zehn Prozent aus den Mercedes-Werken in Südafrika und China.

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