Wirtschaft : Daimler-Chrysler: Adtranz-Chef Rolf Eckrodt über seinen neuen Sanierungsauftrag

Herr Eckrodt[wie lautet Ihr Auftrag bei Mitsubish]

Rolf Eckrodt. Noch-Vorstandschef der Daimler-Chrysler-Schienenfahrzeugtochter Adtranz wechselt als Sanierer zu Mitsubishi.



Herr Eckrodt, wie lautet Ihr Auftrag bei Mitsubishi?

Mein Auftrag wurde ganz bewusst sehr extensiv ausgelegt. Es geht darum, bei Mitsubishi die Dinge zu reparieren, die derzeit nicht ganz richtig laufen. Das reicht von den bekannten Qualitätsproblemen bis hin zu den Kostenstrukturen. Ich werde auf allen Ebenen, von der Entwicklung über Produktion, Qualitätsmanagement bis hin zu Vertrieb und Marketing Einfluss nehmen müssen. Deshalb auch diese sehr ganzheitliche Kompetenz.

Ist das also ein weiterer Sanierungsauftrag?

Mitsubishi ist ein hervorragendes Unternehmen, das in einer schwierigen Situation steckt. Unsere Partner haben in der Vergangenheit bewiesen, dass sie gute Arbeit leisten können. Wir werden die Probleme gemeinsam lösen.

Waren Sie schon vor Ort?

Nein, nicht in diesem konkreten Fall. Ich werde Ihnen deshalb jetzt auch keine Analyse der Probleme liefern. Ferndiagnosen liegen mir nicht.

Daimler-Chrysler hat sich die Option offen gehalten, weitere Anteile an Mitsubishi zu erwerben. Ist die Mehrheit das Ziel?

Es ist das erklärte strategische Ziel des Konzerns, eine starke Position im asiatischen Markt aufzubauen. Wenn eine Mehrheitsbeteiligung bei Mitsubishi dafür hilfreich ist und die Konditionen stimmen, wäre das sicher eine interessante Option. Eine Entscheidung darüber gibt es aber nicht.

Warum wurden Sie für diese Aufgabe ausgewählt?

Ich denke, ich erfülle alle Kriterien, die für diese Aufgabe nötig sind. Ich habe 26 Jahre Erfahrung im Pkw-Geschäft von Daimler, kenne das Nutzfahrzeuggeschäft, war fünf Jahre für den Konzern in Lateinamerika tätig und kann mich in fremde Kulturen einfügen. Vielleicht ist es auch eine gewisse Seniorität, die bei dieser Aufgabe hilfreich sein wird.

Noch ist Ihr Auftrag bei Adtranz nicht abgeschlossen. Die Zustimmung der Kartellbehörden zum Verkauf an Bombardier steht noch aus. Werden Sie Adtranz zuvor verlassen?

Das ist nicht vorgesehen. Mit einer Entscheidung der Kartellbehörden zum Verkauf von Adtranz an Bombardier ist frühestens in sechs Wochen zu rechnen. Größere Hindernisse zeichnen sich dabei nicht ab. Ich werde versuchen, diesen Prozess tatkräftig zu begleiten. Ich stehe zu meiner Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern und gegenüber dem neuen Eigentümer.

Die Mitarbeiter befürchten einen weiteren drastischen Stellenabbau bis hin zur Stilllegung des größten deutschen Adtranz-Werkes in Hennigsdorf. Können Sie das ausschließen?

Ich stelle hier nicht Standorte zur Disposition. Sicher müssen bei einem Zusammenschluss von Adtranz und Bombardier/DWA Kompetenzen und Kapazitäten überprüft werden. Vieles wird dabei aber zu dramatisch gesehen. Adtranz ist gut aufgestellt.

Übergeben Sie ein gesundes Unternehmen?

Ja, sonst hätte Bombardier kein Interesse gezeigt.

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