Wirtschaft : Daimler-Chrysler AG: Jürgen Schrempps kalkuliertes Risiko

Alfons Frese

Jürgen Schrempp bleibt sich treu. Keine Spur von Zweifeln an der eigenen Strategie: In drei Jahren soll der Konzern einen Gewinn von knapp 18,5 Milliarden Mark einfahren. Bescheidenheit hat den Konzernchef noch nie ausgezeichnet. Doch wie Schrempp die schwerste Krise seiner Amtszeit anpackt, ist fast schon übermütig: Er gibt eine präzise Ergebnisprognose für die kommenden drei Jahre und setzt sich damit unter Druck. Wenn er unter der Zielmarke bleibt, was im Übrigen auch von vielen externen, nicht beeinflussbaren Faktoren abhängt, ist er gescheitert. Aber vieles spricht für ein kalkuliertes Risiko: Mit einem einmaligen Kraftakt wird Chrysler saniert und die Zusammenarbeit mit Mitsubishi ausgebaut. Das ist die eine Seite eines erfolgreichen Krisenmanagements. Hinzu kommt Transparenz. Detailliert und nachvollziehbar hat Schrempp die Ursachen der Krise und vor allem die Gegenmaßnahmen erläutert. Das Signal an die Finanzmärkte, wo die Aktie derart abgestürzt ist, dass sogar eine feindliche Übernahme nicht ausgeschlossen wird: Die Probleme sind erkannt, werden angepackt und im Jahr 2003 wird Geld verdient. Die Story stimmt also, die Aktie ist wieder ein Kauf. Ganz so einfach ist es nicht. Zu den Großbaustellen kommen die Schwierigkeiten im Nutzfahrzeuggeschäft, auch die US-Tochter Freightliner schreibt rot. Und ob die Kooperation zwischen den Konzernmarken die versprochenen Synergiepotenziale heben, ist keineswegs ausgemacht. Im Automobil spiegelt sich auch regionale Kultur, Japaner haben andere Pkw-Vorlieben als Amerikaner oder Europäer. Auch deshalb hat es bislang nicht so recht geklappt mit den Synergien. Jetzt soll alles besser werden, weil "wir heute die richtigen Leute am richtigen Platz haben", sagt Schrempp und weist damit auf den Knackpunkt der Strategie hin: Folgen die Hunderttausende Mitarbeiter in rund 200 Ländern den Vorgaben aus Stuttgart?

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben