Wirtschaft : Daimler-Chrysler: Auf in den Fernen Osten (Kommentar)

Alfons Frese

Europa ist out, Asien ist in. Auf diese Formel lassen sich die jüngsten Aktivitäten der großen Autohersteller bringen. Renault steigt bei Nissan und Samsung ein, Daimler-Chrysler bei Mitsubishi und Hyundai, und um Daewoo bieten neben Daimler-Chrysler noch General Motors und Ford. Nur der europäische Marktführer VW ist erstaunlich passiv im Fernen Osten. Womöglich glaubt man in Wolfsburg, mit der starken Präsenz in China die Region hinreichend abgedeckt zu haben. Die West-Konzerne zieht es gen Osten, weil sowohl in Nordamerika als auch in Westeuropa die Automärkte gesättigt sind. In den USA kämpfen Hersteller und Händler mit Sonderaktionen und Rabatten um die Autokäufer, das drückt schwer auf die Margen. Und in Westeuropa steht eine Flurbereinigung an: Die Überkapazitäten liegen hier bei rund 20 Prozent, die Schließung von Fabriken ist eine Frage der Zeit. Alles in allem gibt es auf den "alten Märkten" Wachstum nur noch in Nischen, zum Beispiel bei Geländewagen, Roadstern, Cabriolets und Nobelkarossen.

Also auf in die Regionen, die vor zehn Jahren als Wachstumsmärkte identifiziert wurden: Asien und Osteuropa. Für den Einstieg in Asien hat die so genannte Asienkrise gute Voraussetzungen geschafffen; viele Hersteller in der Region sind hoch verschuldet und brauchen Hilfe, entsprechend günstig sind die Preise. Mit der Hilfe von Allianzen, Beteiligungen oder Übernahmen wollen die Westfirmen die ziemlich geschlossenen asiatischen Märkte knacken. Wenn dann noch China und Indien motorisiert werden, stehen die Montagebänder nicht mehr still.

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