Wirtschaft : Daimler-Chrysler: Autokonzern bündelt Online-Aktivitäten

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Die Der Stuttgarter Autokonzern Daimler-Chrysler soll in ein vernetztes Unternehmen verwandelt werden. 650 Millionen Euro stehen für Beteiligungen an Unternehmen rund um das Internet bereit. Der Hersteller solle das erste "durchgängig vernetzte Automobilunternehmen" werden, sagte Eckhard Cordes, im Daimler-Chrysler-Vorstand verantwortlich für Strategie und Informationstechnik, am Montag in Stuttgart. Hinzu kommen nach früheren Angaben Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe für den Ausbau der Informationstechnik im Unternehmen.

Um diese Ziele zu erreichen, sei es nötig, die "alte Arbeitsorganisation aufzugeben", sagte Cordes. Dabei werde die Vernetzung der Mitarbeiter "ein wesentlicher Erfolgsfaktor" sein. Daimler-Chrysler will das Internet verstärkt als Vertriebskanal nutzen. Bisher wurden laut Cordes 323 Fahrzeuge des Kleinstwagen Smart über das Netz verkauft. Der Daimler-Chrysler-Vorstand erwartet allerdings, dass sich bald mehr als 90 Prozent der Kunden über das Netz informiert haben, ehe sie einen Autohändler aufsuchen. Bis die Vernetzung realisiert sei, würden aber noch vier oder fünf Jahre vergehen.

Als weiterer Pfeiler der Internet-Strategie werden ab 2001 alle Mercedes-Fahrzeuge in den USA serienmäßig mit Zugang zum Internet und Dienstleistungen wie Navigation ausgestattet. In Europa verkaufte Modelle sollen folgen, wenn entsprechende Dienstleistungen im Netz verfügbar seien. Die Vernetzung mit Lieferanten und Händlern ist der vierte Aspekt der E-Business-Strategie. Das bekannteste Projekt ist die Internet-Einkaufsplattform Covisint, die die Stuttgarter gemeinsam mit General Motors und Ford Motor ins Leben gerufen haben. Cordes räumte allerdings ein, dass es mindestens vier Jahre dauern werde, bis alle Lieferanten vernetzt seien. In den USA habe Daimler-Chrysler zudem eine Einkaufsplattform für die Chrysler-Händler geschaffen, sagte Cordes.

Daimler-Chrysler bündelt sämtliche Beteiligungen rund um das Internet in einer Tochtergesellschaft mit dem Namen DCX Net-Holding GmbH. Ein DCX-Börsengang sei augenblicklich kein Thema, sagte Cordes. Die Holding ist mit einem Kapital von 550 Millionen Euro ausgestattet und soll weitere Beteiligungen an Unternehmen eingehen, die Technologien entwickelt haben, die für das Internet-Geschäft wichtig sein können. Bisher hat Daimler-Chrysler rund 330 Millionen Euro für entsprechende Beteiligungen ausgegeben. Die Holding wird auch die Beteiligung an Covisint halten. Zudem wurde der Risikokapital-Fonds Daimler-Chrysler Venture Capital Fonds von 20 auf 120 Millionen Euro aufgestockt. Er soll sich an Internet-Firmen beteiligen, deren Geschäftsideen als zukunftsträchtig gelten.

Die Daimler-Chrysler-Aktie legte gestern gegen den Trend zu. Autoanalyst Christian Breitsprecher von der Deutschen Bank sieht die Bekanntgabe der E-Business-Pläne als auslösenden Faktor. Wichtig sei, dass Daimler-Chrysler erkannt habe, dass man die gesamte Organisation umbauen müsse, um sie an das Internet anzupassen.

Weiterhin teilte das Unternehmen mit, dass es in das Getriebewerk in Indiana (USA) 455 Millionen Dollar investieren will. Dort würden seit der Fusion von Daimler-Benz mit Chrysler erstmals Mercedes-Getriebe produziert, die auch in Chrysler-Marken eingebaut werden sollen.

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