Wirtschaft : Daimler-Chrysler baut den Vorstand um

Ulrich Walker wird neuer Smart-Chef / Im Tarifkonflikt bei Daimler-Chrysler gibt es kaum Annäherung

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München/Frankfurt – Bei Daimler Chrysler rückt eine Einigung im hitzigen Streit um Kostensenkungen näher – zugleich wird damit der Weg für den anstehenden Vorstandsumbau frei. In dem Autokonzern sind die Würfel für die Neuordnung des Top-Managements bereits weitgehend gefallen. Der Aufsichtsrat soll die Personalien auf der nächsten Sitzung Donnerstag nächster Woche beschließen.

Nach Informationen des Handelsblatts gilt neben dem Wechsel von Daimler-Nutzfahrzeugchef Eckhard Cordes auf den Mercedes-Chefsessel auch die Berufung von Smart- Chef Andreas Renschler als Cordes-Nachfolger als beschlossene Sache. Die defizitäre Daimler-Kleinstwagenmarke Smart wird künftig voraussichtlich Ex-Mitsubishi-Manager Ulrich Walker steuern. Geringe Chancen auf die Position werden allerdings auch noch dem Leiter des Daimler-Werks Untertürkheim, Volker Stauch, eingeräumt. Für den Posten des neuen Nutzfahrzeugchefs waren zuvor auch Walker und der bisherige Strategievorstand Rüdiger Grube gehandelt worden.

Im Streit um Kostensenkungen zeichnete sich bei den seit gestern wieder laufenden Verhandlungen eine Verständigung ab. Mercedes- Chef Jürgen Hubbert sowie der Daimler-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Erich Klemm hielten eine Lösung noch im Laufe der Woche für möglich. Über den Stand der Gespräche wurde von beiden Seiten Stillschweigen vereinbart. Hubbert droht der Belegschaft mit einer Produktionsverlagerung der C-Klasse sowie der Streichung von 6000 Jobs, wenn der Betriebsrat nicht bis Ende des Monats Einsparungen von 500 Millionen Euro zustimmt.

Der Betriebsrat bot bisher nur Zugeständnisse in Höhe von rund 300 Millionen Euro an, verlangt aber im Gegenzug eine Übereinkunft, die die Arbeitsplätze in allen deutschen Werken über das Jahr 2010 hinaus sichern soll. Überdeckt von den lautstarken Auseinandersetzungen mit der Belegschaft ist hinter den Kulissen das Personalpaket für den anstehenden Vorstandsumbau im Führungszirkel festgezurrt worden.

Im Schatten des Konflikts bei Daimler-Chrysler gibt es zurzeit auch bei anderen Konzernen Gespräche, wie Stellenverlagerungen ins Ausland verhindert werden können – auch bei Siemens. Dort stehen nach der Einigung auf eine 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich für 4000 Beschäftigte in Bocholt und Kamp-Lintfort weitere 2300 Jobs im Inland auf dem Prüfstand. „Es bleibt dabei, dass wir bis Ende des Geschäftsjahres im September eine Lösung erreichen wollen“, sagte ein Konzernsprecher am Dienstag.

Bei der Diskussion um die Kürzung von Manager-Gehältern sei Siemens bereits mit gutem Beispiel vorangegangen. Wegen der Umstellung auf ein neues Vergütungssystem im laufenden Geschäftsjahr verdienten die Vorstände zehn Prozent weniger. Beim Maschinen- und Nutzfahrzeugbauer MAN laufen derzeit Verhandlungen über die Verlagerung von mehr als 9000 Arbeitsplätzen. Die Konzernleitung fordert von den Beschäftigten, 38 statt 35 Stunden pro Woche zu arbeiten und bietet im Gegenzug eine Prämienzahlung an, sofern bestimmte Renditeziele erreicht werden. Der Heizungsbauer Viessmann will ebenfalls längere Arbeitszeiten einführen. Auch hier bietet das Unternehmen eine erfolgsabhängige Prämie und will Urlaubs- und Weihnachtsgeld nicht antasten.

Einen anderen Weg ist Bosch in seiner Sparte Elektrowerkzeuge gegangen. Wie die IG Metall am Dienstag mitteilte, wird den 2350 Mitarbeitern die Erfolgsbeteiligung gestrichen. Außerdem gibt es weniger übertarifliche Leistungen. Dafür sei nun die Debatte über längere Arbeitszeiten vom Tisch – und die Beschäftigung bis 2007 gesichert. hz/zel/HB/nad

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