Wirtschaft : Daimler-Chrysler bringt die Börse nicht auf Touren

Steigender Quartalsgewinn, optimistischer Ausblick und neue Vorstände kommen nicht an – nur die mageren Mercedes-Zahlen

Henrik Mortsiefer

Berlin - Daimler-Chrysler blickt nach einem erfreulichen zweiten Geschäftsquartal optimistischer als bisher ins Autojahr 2004. Der nach General Motors und Ford drittgrößte Autohersteller der Welt geht davon aus, den operativen Gewinn im Vergleich zum Vorjahr „deutlich steigern zu können“, sagte Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp am Donnerstag. Er hatte sich bislang zurückhaltender geäußert. Der Wettbewerbsdruck auf den großen Märkten in den USA, Europa und Asien bleibe aber hoch. Die Aktionäre reagierten skeptisch – trotz einer starken Kaufstimmung für andere Dax-Titel verharrte die Daimler-Aktie bei 37,10 Euro. Grund: Der größte Ertragsbringer des Konzerns, die Sparte Mercedes, wird das Ergebnis des Vorjahres nicht erreichen.

In den vergangenen Monaten war der Konzern in Turbulenzen geraten: Interne Machtkämpfe, milliardenschwere Verluste der japanischen Autotochter Mitsubishi, Rückrufaktionen und die Absatzflaute bei Mercedes sowie ein mit Mühe geschlossener Beschäftigungspakt setzten Konzernchef Schrempp unter Druck. Mit einer Neubesetzung wichtiger Vorstandsposten (siehe Kasten) und einer Qualitäts- und Kostenoffensive glaubt der Vorstandschef nun das Ziel größerer Wettbewerbsfähigkeit und Profitabilität erreichen zu können.Auf eine nachhaltige Trendwende auf den Automärkten kann Schrempp aber nicht bauen: 2004 werde es hier „nur moderate Zuwächse“ geben.

2003 hatte Daimler-Chrysler einen operativen Gewinn von 5,7 Milliarden Euro erzielt. Im ersten Halbjahr 2004 wurden bereits 3,6 Milliarden Euro erreicht – ein Plus von 77 Prozent im Vorjahresvergleich. Dazu trugen vor allem die Erfolge der US-Tochter Chrysler und die Nutzfahrzeugsparte bei. Der Reingewinn kletterte um 36 Prozent auf 947 Millionen Euro. „Wir haben einen weiteren Schritt in die richtige Richtung gemacht“, sagte Schrempp. „Aber wir sind nocht nicht da, wo wir hin wollen.“ Chrysler konnte nach einem Verlust von fast 800 Millionen Euro im Vorjahr den Gewinn auf 814 Millionen Euro steigern. Kräftig legte auch die Nutzfahrzeugsparte zu. Dort sprang der Gewinn um 174 Prozent auf 736 Millionen Euro. Negativ zu Buche schlug der Verlust des japanischen Partners Mitsubishi. Weil Daimler an einer Kapitalerhöhung nicht teilgenommen hatte, verringerte sich der Anteil an dem angeschlagenen Unternehmen von 37 Prozent auf unter 25 Prozent. Auf Grund bilanztechnischer Anpassungen werde Mitsubishi künftig nicht mehr auf das operative Daimler-Ergebnis drücken, so Schrempp. Bei den Dienstleistungen, wo der Gewinn auf 693 Millionen Euro sank, könnte sich Toll Collect als Risikofaktor erweisen.

Abstriche muss Schrempp bei Mercedes machen. Im zweiten Quartal wurden weltweit 274200 Autos verkauft, 7400 weniger als im Vorjahresquartal. Dabei ging der Absatz in Westeuropa um zwei, in den USA um vier Prozent zurück. Unter Berücksichtigung hoher Anlaufkosten und Vorleistungen für neue Produkte – die neue A-Klasse und das Coupé CLS kommen jetzt auf den Markt – sank das operative Quartalsergebnis auf 703 Millionen Euro (Vorjahr: 861 Millionen Euro). 2004, so Schrempp, werde der Gewinn der Mercedes Car Group (Mercedes, Smart, Maybach) „das Vorjahresniveau nicht erreichen“.

An der Börse wurden diese Aussagen kritisch bewertet. „Da kann viel Politik drin stecken“, hieß es. Nachdem Schrempp den Mitarbeitern große Zugeständnisse beim Sparprogramm über 500 Millionen Euro abgerungen habe, sei ein sehr guter Ausblick für Mercedes kaum vertretbar gewesen. Zum Ende des zweiten Quartals waren bei Daimler-Chrysler weltweit 383724 Mitarbeiter beschäftigt – 11651 mehr als vor einem Jahr.

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