Wirtschaft : Daimler-Chrysler: Daimler baut Chrysler um

Martina Ohm

Noch ist der Wachwechsel an der Spitze von Chrysler in Detroit nicht einmal amtlich, da hat die Börse schon ihr Urteil gefällt. Der Kursrückgang der Daimler-Chrysler-Aktie am Mittwoch zeigt jedenfalls, dass hinter der plötzlichen Ablösung des Amerikaners James Holden durch den Deutschen Dieter Zetsche mehr vermutet werden darf als ein Gerücht. Zumindest verdichten sich Hinweise darauf, dass die Ertragsenwicklung in Detroit noch schlechter verläuft als befürchtet. Das einst so profitable Unternehmen Chrysler muss allein für das dritte Quartal einen Verlust von umgerechnet einer Milliarde Mark verkraften. Von den Planvorgaben aus Stuttgart sind die Amerikaner Lichtjahre entfernt. Mit der Nominierung seines Vertrauten und Kronprinzen Zetsche hat Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp nun seinen Joker gespielt. Die Entscheidung dokumentiert, wer im amerikanischen Firmenverbund der Herr im Hause ist. Die Nachricht wird bei Chrysler in Auburn Hills die Unsicherheit unter den Mitarbeitern zunächst noch vergrößern. Aber nicht zuletzt die Börse zwingt Schrempp zu überzeugenden Zeichen einer klaren Konzernstrategie. Den Unmut der Chrysler-Belegschaft über den häufigen Personalwechsel und die schleichende Germanisierung wiegt für Schrempp weniger als die wachsende Skepsis der Investoren gegenüber einer dauerhaften Ertragsstärke des transatlantischen Verbunds. Mit Zetsche in der Chrysler-Zentrale wird klar, dass Daimler-Chrysler seinen Sparkurs in USA verschärfen will. Der Plan muss gelingen, sonst bleibt Schrempps Spiel eine Hängepartie.

0 Kommentare

Neuester Kommentar