Wirtschaft : Daimler-Chrysler: Der Automobilkonzern plant Serviceoffensive

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"Das Kernproblem ist Deutschland", sagte Günter Egle, bei Daimler-Chrysler für das weltweite Ersatzteil- und Werkstattgeschäft verantwortlich, am Mittwoch auf der Branchenmesse Automechanika in Frankfurt. In der Bundesrepublik sei das Servicenetz des Automobilkonzerns im Unterschied zu anderen Märkten zu dicht geknüpft, besonders in den neuen Ländern habe es das Unternehmen manchmal "zu gut gemeint". Als Reaktion darauf will Daimler-Chrysler in den Lkw-Werkstätten künftig auch fremde Fabrikate betreuen. "Wir werden dafür den kompletten Service anbieten", kündigte Egle an. Das Unternehmen müsse mehr Rücksicht auf die Flotten großer Speditionen nehmen, in denen häufig mehrere Fabrikate eingesetzt werden.

Doch auch in den Pkw-Werkstätten von Daimler-Chrysler soll etwas passieren. Im Moment werde zwar nicht daran gedacht, auch Fremdfabrikate zu betreuen. Egle sieht aber Handlungsbedarf bei älteren Gebrauchtfahrzeugen, von denen bislang zu wenige in den Daimler-Chrysler-Werkstätten betreut würden. Deshalb sollen in Zukunft für sechs bis acht Jahre alte Gebrauchtwagen spezielle Service- und Ersatzteilpakete angeboten werden. Für diese Fahrzeuge müssten nicht immer Originalersatzteile verkauft werden. "Der Preis wird eine entscheidende Komponente", sagte Egle zu der Offensive.

Die Vertretungen von Daimler-Chrysler müssen sich aus Sicht Egles viel stärker in Richtung Kunden öffnen. Die Werkstätten hätten es bislang nicht verstanden, jeden Käufer gleich gut zu behandeln. "Wir müssen dringend etwas an unserem Image tun", forderte Egle. Zu stark sei in der Öffentlichkeit noch das Bild verbreitet, Mercedes verlange zu viel Geld für seine Dienste und biete nicht immer perfekten Service. Daimler-Chrysler wolle und werde sich darauf einstellen, dass sich mit Dienstleistungen künftig mehr Geld verdienen lasse als mit dem reinen Verkauf von Neuwagen, sagte Egle. Dazu zähle auch der verstärkte Verkauf von Ersatzteilen. Daimler-Chrysler werde dazu mit neuen Ideen und Produkten auf den Markt kommen, die mit den Händlern entwickelt werden sollen. 75 Prozent des Ersatzteil-Geschäfts werde derzeit über die Mercedes-Vertretungen abgewickelt. Daimler will auch das Internet einsetzen. Es müssten jedoch stets unternehmenstypische Lösungen gefunden werden.

Bald Klarheit bei Mitsubishi

Am Rande der Veranstaltung wurde bekannt, dass der Konzern bis Ende der Woche Klarheit über sein weiteres Vorgehen bei dem krisengeschüttelten japanischen Partner Mitsubishi schaffen will. Ein Sprecher bestätigte in Stuttgart, dass es eine entsprechende Erklärung geben werde. Auf Einzelheiten ging er nicht ein. Jüngsten unbestätigten Meldungen zufolge will der Konzern angeblich seinen bisherigen Anteil von 34 Prozent auf bis zu 40 Prozent erhöhen, womit Daimler-Chrysler zum größten Anteilseigner würde.

Darüberhinaus will der Konzern offenbar bei den Japanern einen weiteren hochrangigen Managementposten durchsetzen, um mehr Einfluss zu gewinnen. Damit solle vor allem die von einem Vertuschungsskandal erschütterte Glaubwürdigkeit wiederhergestellt werden. Mitsubishi hatte jüngst eingeräumt, in den vergangenen 20 Jahren Mängel an Fahrzeugen systematisch vertuscht zu haben. Seit Juli musste Mitsubishi 620 000 Fahrzeuge wegen defekter Bremsen, leckender Benzinleitungen oder Kupplungsproblemen zurückrufen. Gegen Mitsubishi ist ein Strafverfahren anhängig.

Der zweite asiatische Partner von Daimler-Chrysler, der südkoreanische Hyundai-Konzern, hat unterdessen am Mittwoch den Verkauf von neun Prozent seiner Anteile an Daimler-Chrysler offiziell gebilligt. Die Beteiligung werde den deutsch-amerikanischen Konzern nach Angaben von Hyundai rund 864 Millionen Mark kosten.

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