Wirtschaft : Daimler-Chrysler: Der Konzern stärkt die Präsenz in Asien

Drei Monate nach dem milliardenschweren Einstieg bei Mitsubishi Motor in Japan ist Daimler-Chrysler eine strategische Allianz mit dem koreanischen Branchenprimus Hyundai eingegangen. Daimler-Chrysler will für knapp 900 Millionen Mark zehn Prozent von Hyundai Motor übernehmen. Geplant ist eine Zusammenarbeit in den Bereichen Kleinwagen und Nutzfahrzeuge. Die Absichtserklärung wurde am Montag in Seoul unterzeichnet.

Die Partnerschaft zielt offiziell auf "drei Kernbereiche". In einem Gemeinschaftsunternehmen wollen Daimler-Chrysler und Hyundai Nutzfahrzeuge in Korea herstellen und vermarkten. Daneben ist eine enge Zusammenarbeit bei der Produktion von Kleinwagen geplant. Außerdem boten beide Unternehmen gemeinsam für die Übernahme des angeschlagenen Hyundai-Konkurrenten Daewoo Motor. Aus Branchenkreisen hieß es jedoch, mit diesem Angebot wollten die Stuttgarter lediglich Einblick in die Daewoo-Bücher bekommen. In Seoul wurde nicht ausgeschlossen, dass Daimler-Chrysler seinen Anteil an Hyundai in drei Jahren auf 15 Prozent erhöhen wird. Dies hänge aber von der Entwicklung der Zusammenarbeit ab, sagte das Vorstandsmitglied Eckhard Cordes. Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp bezeichnete Hyundai als idealen Partner: "Hyundai ist sehr erfolgreich, profitabel und bei weitem der stärkste Player im koreanischen Automobilmarkt." Der Hyundai-Chef Chung Mong Koo erklärte, mit Daimler-Chrysler als Partner werde Hyundai Teil einer der stärksten Allianzen in der weltweiten Autoindustrie.

Neben Hyundai/Daimler-Chrysler reichten am Montag auch die beiden Weltmarktführer General Motors (GM) und Ford unverbindliche Kaufangebote für Daewoo ein. Bis zum Freitag sollen ein oder zwei bevorzugte Bieter unter den drei Kandidaten ausgewählt werden. Der Käufer für die Autotochter der zusammengebrochenen Daewoo-Gruppe soll bis zum September feststehen. Die Gebote für Daewoo sind zunächst unverbindlich. Das heißt, sie verpflichten die Bieter nicht zum Kauf, wenn sie den Zuschlag erhalten. Das "Daewoo Motor Restructuring Committee" will bis Ende der Woche zwei Angebote auswählen. Mit den beiden Bietern soll dann im Detail verhandelt werden.

Die Risiken bei einer Übernahme des überschuldeten Autoherstellers sind beträchtlich. Ein Kauf mag sinnvoll sein, um in Südkorea, dem zweitgrößten asiatischen Automarkt nach Japan, Fuß zu fassen und damit eventuell auch Zugang zum chinesischen Markt zu gewinnen. Bankanalysten zweifeln aber, dass die Anleger ein Engagement bei Daewoo honorieren würden. Angesichts des schwachen Börsenkurses der Daimler-Chrysler-Aktie war Vorstandsmitglied Eckhard Cordes, verantwortlich für Konzernentwicklung, in einer Telefonkonferenz mit Bankanalysten bemüht, die Bedeutung des Gebotes herunterzuspielen. Man werde Daewoo prüfen, sagte Cordes. Messlatte dabei sei, ob durch einen Erwerb der Wert von Daimler-Chrysler für die Aktionäre gesteigert werden könne.

Hyundai wiederum benötigt einen Partner für das Gebot. Die koreanische Wettbewerbsbehörde würde keine alleinige Offerte des Marktführers Hyundai dulden. Kreise bei Daimler-Chrysler hatten indes mehrfach durchblicken lassen, dass kein gesteigertes Interesse an einem Erwerb von Daewoo bestehe. Ein nicht-bindendes Angebot für Daewoo, das im Lauf des Verfahrens nicht weiter verfolgt wird, böte der Hyundai-Spitze die Chance, ihr Gesicht zu wahren. Der Schuldenberg von Daewoo wird auf 16 Milliarden Dollar geschätzt, der Kaufpreis für den koreanischen Autohersteller auf drei bis vier Milliarden Dollar. Nach unbestätigten koreanischen Berichten sieht das gemeinsame Gebot vor, dass Hyundai oder das geplante Lkw-Gemeinschaftsunternehmen von Hyundai und Daimler-Chrysler knapp 20 Prozent des Daewoo-Inlandsgeschäfts erwirbt. 40 Prozent würde Daimler-Chrysler direkt übernehmen. Weitere 40 Prozent bekämen die Gläubiger. Das Daewoo-Auslandsgeschäft würden Hyundai und Daimler-Chrysler je zur Hälfte übernehmen.

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