Wirtschaft : Daimler-Chrysler: Der Konzern zieht die Notbremse bei seiner US-Sparte

Daimler-Chrysler hat bei seiner US-Sparte Chrysler die Notbremse gezogen. Der bisherige Chef James Holden wird durch Dieter Zetsche ersetzt, wie die außerordentliche Aufsichtsratssitzung am Freitag beschloss. Auf Grund der schlechten Lage bei Chrysler erwartet der Konzern auch Auswirkungen auf das Gesamtunternehmen. Das Papier hat bei 48,85 Euro einen neuen Jahrestiefststand markiert.

Wichtigste Nachricht aus der Aufsichtsratssitzung: Daimler-Chrysler revidiert die bisherige Erwartung für das Betriebsergebnis 2000 nach unten. Bisher ging das Unternehmen von einem Betriegsergebnis für den Gesamtkonzern von sieben Milliarden Euro aus. Natürlich habe das Geschäft bei Chrysler Auswirkungen auf Daimler-Chrysler, wurde der Vorstand des deutsch-amerikanischen Unternehmens zitiert.

Für die Chrysler Group erwartet der Konzern ein Betriebsergebnis für das Gesamtjahr, dass unter den bisher erwarteten zwei Milliarden Euro liegen werde. Ein Unternehmenssprecher wollte keine Angaben zu den Prognosen für das Jahr 2001 machen, außer auf Konzernchef Schrempp zu verweisen, der auf einem Analystentreffen zuvor gesagt habe, dass der Konzern das Ergebnis von 2000 übertreffen oder zumindest erreichen werde. Chrysler hatte im dritten Quartal rote Zahlen geschrieben. Das Minus betrug 600 Millionen Euro. Seit Bekanntgabe der Ergebnisse Ende Oktober hätten sich die Marktbedingungen weiter verschärft.

Bereits in den Vortagen gab es Gerüchte, dass Daimler das Management in den USA austauschen will. Dies bestätigte sich am Freitag. Vorstandschef Jürgen Schrempp sagte: "Mit Dieter Zetsche hat ein erfahrener Kollege die schwierige Herausforderung bei Chrysler übernommen." Er habe in der Vergangenheit bereits mehrfach bewiesen, dass ein Unternehmen zu profitablem Wachstum führen könne. Zetsche kenne die Welt des Automobils in allen Facetten. Zum Chief Operating Officer (COO) wurde Wolfgang Bernhard bei Chrysler bestellt. Somit haben ab sofort zwei Deutsche die Führung bei der Chrysler-Group.

Der COO, die Stelle wurde bei Chrysler neu geschaffen, ist für das Tagesgeschäft zuständig. Der 40-jährige Bernhard wurde auch zum stellvertretenden Vorstandsmitglied von Daimler-Chrysler bestellt.

Beide Manager werden ein Programm zur Renditeverbesserung bei Chrysler erarbeiten. Das Programm soll innerhalb des ersten Quartals 2001 vorgestellt werden. Es fokussiere sich auf die Verbesserung der Kostensituation, die Neuausrichtung der Produktpalette und Steigerung der nationalen und internationalen Marktposition.

Ausdrücklich stellte sich der Aufsichtsrat hinter die Strategie von Konzernchef Jürgen Schrempp. Er begrüße die globale strategische Ausrichtung des Unternehmens und sichere dem Vorstand seine volle Unterstützung zu, hieß es in Stuttgart. Der neue Chrysler-Chef Zetsche war bisher im Vorstand für das Nutzfahrzeuggeschäft verantwortlich. Sein Ressort wird von Eckhard Cordes übernommen. Er war bisher bei dem Autobauer für das IT-Management und die Konzernentwicklung zuständig. Er hatte den Angaben zufolge in den letzten Jahren ganz wesentlich die Fokussierung und Restrukturierung des Unternehmens auf das Automobilgeschäft vorangetrieben. Er sei einer der Architekten des Zusammenschlusses mit Chrysler und der asiatischen Allianzen mit der Mitsubishi Motors Corporation und der Hyundai Motor Company. Schrempp sagte über 49-Jährigen: "Besonders mit seiner internationalen Erfahrung hat Cordes die idealen Voraussetzungen für diese wichtige Aufgabe."

Die Aktie war im Vorfeld der Aufsichtsratssitzung am Freitag, exakt dem zweiten Jahrestag der offiziellen Besiegelung der Fusion von Daimler-Benz und Chrysler, zeitweise auf das Rekordtief von 48,85 Euro gefallen. Am Nachmittag erholte sie sich leicht und notierte in Frankfurt mit 50,20 Euro. Der Höchststand hatte im April 1999 rund 94 Euro betragen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben