Wirtschaft : Daimler-Chrysler: Der neue Jürgen Schrempp

Jürgen Schrempp sitzt fest im Sattel. Stimmen, die vor wenigen Monaten den Rücktritt des Chefs der DaimlerChrysler AG forderten, sind verstummt. Noch vor gar nicht allzu langer Zeit hätte der Plan, die Dividende für die Aktionäre massiv zu kürzen, einen Aufschrei zur Folge gehabt und die Position des Konzernlenkers schwer erschüttert. Doch Schrempp hat sich stabilisiert.

Im Sommer des Jahres 2000 hatte das Drama für den DaimlerChrysler-Chef begonnen. Chrysler stürzte tief in die Verlustzone. Das Missmanagement und die massiven Probleme auf dem Heimatmarkt USA wurden Schrempp angelastet. Und die Frage, ob der selbst ernannte Mr. Shareholder-Value seine US-Autobauer in den Griff bekommt, trieb die Kritiker um. Jetzt scheint das Vertrauen wieder zu wachsen: Chrysler ist auf dem Weg der Besserung, selbst beim japanischen Beteiligungsunternehmen Mitsubishi ist Land in Sicht. Im Börsenkurs hat sich diese Zuversicht zwar erst zaghaft niedergeschlagen, doch die Meinung der Beobachter ist positiv: Schrempp führt DaimlerChrysler sicher durch die Krise. Dabei ist es derselbe Mann, der Mitte der neunziger Jahre mit lautem Getöse die Aufräumarbeiten bei dem deutschen Traditionsunternehmen begann. Der Technologiekonzern seines Vorgängers Edzard Reuter wurde demontiert, auch eigene Sünden - wie der Einkauf des maroden Flugzeugbauers Fokker - an den Pranger gestellt. Was für ein Unterschied zu heute: Schrempp ist leise geworden, die radikale Parole "Profit, Profit, Profit" ist verhallt. Dass eben dieser Jürgen E. Schrempp damit einmal Wellen geschlagen hat, ist kaum noch zu glauben. Keine großspurigen Ankündigungen mehr, keine Eskapaden. Das signalisiert Seriosität. Und das mögen Aktionäre und professionelle Investoren.

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