Wirtschaft : Daimler-Chrysler: Der Stratege überzeugt nicht

Heik Afheldt

Die Zeiten sind vorbei, in denen Überbringer schlechter Nachrichten dafür ihren Kopf verloren. Aber der selbstbewusste Daimler-Chrysler Vormann Jürgen Schrempp müsste nach den Hiobsbotschaften von Chrysler doch ins Grübeln kommen. Nicht nur, weil Quartals-Verluste von 2,7 Milliarden Mark bei Chrysler den Jahresgewinn auf ein Zehntel des Vorjahres schrumpfen lassen und weitere Verluste drohen, sondern weil die Lücke zwischen seinen Versprechungen und der Realität immer größer wird. Ob es an der Strategie der Stuttgarter oder an deren Umsetzung hapert, ist fast sekundär. Die Börse und die Anleger unterscheiden da nicht. Es gibt keine gesonderten Kurse für die Strategie und den Strategen. Beurteilt werden der Erfolg und die Perspektiven für die nächsten Jahre. Und das Urteil der Börse ist negativ. Kein Wunder, der Mann, der mit einem klaren Bekenntnis zum Shareholder Value angetreten ist, hat in seiner "Amtszeit" eine beispiellose Wertvernichtung produziert. Hunderttausende von Anlegern, die auf den Glanz des Sterns vertrauen, sehen ihre Aktien stetig an Wert verlieren. Seit der Hochzeit 1998 hat sich der Börsenwert des Schremppschen globalen Autobauers mit heute noch 80 Milliarden Mark mehr als halbiert. Und Besserung ist nicht in Sicht. Die Engagements bei Mitsubishi und Hyundai lassen für weitere Jahre neue große Verlustlöcher befürchten. Sie drohen die hervorragenden Ergebnisse, die mit den Autos der Weltmarke Mercedes erzielt werden, kräftig zu schmälern. Dazu kommt eine deutliche Abschwächung der Autokonjunktur in Deutschland und auf manchen Auslandsmärkten.

Ist also die Strategie falsch, ein globaler Autobauer unter deutscher Fuchtel und Führung werden zu wollen? Wäre ein deutscher Autobauer mit globalem Absatz ein besseres Konzept? Für Schrempps Strategie finden sich noch immer gute Gründe und auch namhafte Befürworter. Aber die Umsetzung überzeugt nicht - zumindest nicht die Börsen. Ob ein anderer es besser machen könnte? Diese Frage müssen die Eigentümer beantworten. Doch Rolf Breuer und seine Deutsche Bank werden in deutscher Nibelungentreue an ihrem erfolglosen globalen Feldherrn festhalten.

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