Wirtschaft : Daimler-Chrysler durfte Manager feuern

Vertriebschef Fahr unter Untreueverdacht wegen Hausrenovierung auf Mallorca

Alfons Frese

Berlin - Daimler-Chrysler hat einem seiner wichtigsten Verkäufer in Deutschland zu Recht gekündigt. Das entschied jedenfalls das Berliner Arbeitsgericht am Dienstag, indem es die Kündigungsschutzklage von Jürgen Fahr zurückwies. Fahr verantwortete den Verkauf der Marken Mercedes, Smart und Maybach. Anfang März wurde ihm gekündigt, als eine Untreue-Affäre immer weitere Kreise zog. Der Versuch von Fahr, wegen eines vermeintlichen Verfahrensfehlers die Kündigung zu kippen, schlug am Dienstag fehl. Nach einer mehrstündigen Verhandlung entschied das Arbeitsgericht zugunsten des Unternehmens.

Derweil dauern die strafrechtlichen Ermittlungen an. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat 20 Beschuldigte auf der Liste, darunter auch Fahr. Vor zwei Monaten gab es eine erste Festnahme; einem ehemaligen Daimler-Mitarbeiter wirft die Staatsanwaltschaft „Untreue zum Nachteil des Konzerns im Zusammenhang mit der unberechtigten Vergabe eines Auftrages über ca. 3,5 Millionen Euro“ vor.

Vor gut einem Jahr wurden Konzernchef Jürgen Schrempp und der damalige Mercedes-Boss Eckhard Cordes von der internen Revision über unerfreuliche Begebenheiten an der Spitze des Daimler-Chrysler-Vertriebs informiert. Eckhard Panka, Chef der Vertriebsgesellschaft, hatte eine Freundin, und diese Freundin – übrigens die Ex-Frau von Fahr – besaß ein Haus auf Mallorca. In das Haus waren neue Deckenbalken eingezogen worden – unter Beteiligung der Bauabteilung von Daimler-Chrysler, auf Kosten von Daimler-Chrysler. Cordes knöpfte sich Panka vor, das Arbeitsverhältnis wurde Ende 2004 einvernehmlich aufgelöst. Positiv für Panka: Er behielt seine Ansprüche aus der konzerninternen Altersvorsorge. Das gilt nicht für Fahr. Der wurde nämlich fristlos entlassen, als aus der Bauaffäre auch eine Vertriebsaffäre wurde. Im Mittelpunkt steht der bayerische Bauunternehmer und Autohändler Franz Attinger. Er hat Bauprojekte für den Konzern betreut, auch das Haus auf Mallorca. Und Attinger handelte mit Mercedes-Limousinen. Er bekam von Panka/Fahr Mengenrabatte, hielt sich aber nicht an die vorgeschriebene Haltedauer von mindestens sechs Monaten, sondern verkaufte die Autos vorzeitig und natürlich mit Gewinn.

Fahr wird nun zweierlei vorgeworfen. Er soll eine Baurechnung von 50 000 Euro zur Bezahlung an Attinger angewiesen haben; dieses Geld soll für die Deckenbalken auf Mallorca gebraucht worden sein. Zum anderen soll Fahr Attinger die Mengenrabatte eingeräumt haben, obwohl dieser dazu gar keine Berechtigung hatte. Insgesamt hatte Mercedes Attinger 116 Autos allein im Jahr 2002 zu Vorzugskonditionen geliefert. Doch bei Attinger – mit einer schwankenden Belegschaftsgröße zwischen vier und 20 Beschäftigten – sei Eigenbedarf binnen der sechsmonatigen Mindest-Haltezeit kaum geltend zu machen. „Jeder Mitarbeiter, bis hin zum kleinsten Schrauber, muss drei oder vier Mercedes gefahren haben“, spottete der Daimler-Anwalt am Dienstag vor Gericht.

Fahr räumte zwar ein, keine Kundenanalyse vorgenommen, also sich nicht über die tatsächlichen Gegebenheiten bei Attinger informiert zu haben. Dazu habe es für ihn aber auch keine Veranlassung gegeben, da Attinger ja bereits seit Jahren Geschäftspartner von Daimler-Chrysler gewesen sei.

Das Gericht konnte Fahr, der bei Daimler rund 300 000 Euro im Jahr verdiente, nicht überzeugen. Wenn er nun mit der Rechtmäßigkeit der fristlosen Kündigung seinen Anspruch auf betriebliche Pensionsleistungen verliert, dürfte ihm nach Angaben aus dem Unternehmen ein Millionenbetrag entgehen.

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