Wirtschaft : Daimler-Chrysler gründet Geschäftsbank

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Berlin / Frankfurt (Main) (dr/ro). Die Daimler-Chrysler-Bank startet mit neuen Produkten zum Vermögensaufbau und dem Einlagengeschäft. Das Institut, das über eine Vollbanklizenz verfügt, reiht sich in die Reihe der Banken ein, die inzwischen alle großen deutschen Automobilhersteller gegründet haben. Ob VW oder BMW, die Automobilhersteller beschränken sich nicht mehr auf das reine Autogeschäft. Einzig Porsche dementierte zuletzt nachdrücklich, dass der Konzern an die Gründung einer Autobank denke.

Klaus Mangold, Daimler-Chrysler-Vorstandsmitglied und Aufsichtsratschef der neu aufgestellten Daimler-Chrysler-Bank, ist vom Erfolg des jetzt mit einer Vollbank-Lizenz ausgestatteten Geldhauses überzeugt: „Wir kommen zwar nach den anderen, aber wir kommen nicht zu spät.“ Einen zweistelligen Millionenbetrag lässt sich der Autokonzern die Neuausrichtung der Bank kosten. Als Grund für das Engagement werden Kundenwünsche angeführt.

Daimler-Chrysler folgt damit einem Trend. Ursprünglich wurden die Autobanken gegründet, um den Autoabsatz der Hersteller zu stabilisieren. Denn die Mehrzahl der Neuwagen, die auf deutschen Straßen unterwegs sind, ist keineswegs bar bezahlt. Auf rund 70 Prozent schätzt der Arbeitskreis der Autobanken den Prozentsatz der per Leasing oder Finanzierung auf die Straße gebrachten Autos an den gesamten Neuzulassungen. Von den neu zugelassenen Fahrzeugen wurden 37 Prozent von den herstellergebundenen Instituten, den Autobanken finanziert oder verleast. Rund 42 Prozent aller Kunden, so der Arbeitskreis, veränderten ihre Kaufentscheidung auf Grund des Finanzierungsangebots.

Doch das klassische Geschäft mit der Automobilfinanzierung gilt als ausgereizt. Das neue Zauberwort heißt „Zusatznutzen“. Und so bieten viele Herstellerbanken inzwischen mehrheitlich die breite Palette einer Vollbank an. Dazu gehören Girokonten, Sparpläne oder Kreditkarten. Die BMW Bank stieg in das Geschäft mit Investmentfonds ein und die 1990 gegründete Volkswagen Bank Direct bietet ihren Kunden demnächst sogar eine Arbeitslosenversicherung an.

Die Einlagen der Kunden sind den Autobauern nicht unwillkommen. „Natürlich dienen die Einlagen auf den Konten unserer Bank auch der preiswerten Refinanzierung des Konzerns oder der Finanzierung des Leasing“, gibt eine Sprecherin der VW Bank offen zu.

Willi Diez, Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft in Nürtigen, sieht in der 1990 gegründeten VW Bank Direct den Vorreiter. Nahezu alle Hersteller versuchten ähnliches, um die oft „margenschwache“ Autoproduktion zu ergänzen. Die Autobanken seien ein Schlüssel für den von allen Herstellern propagierten Weg zum Dienstleister.

Und so plant man bei der Daimler-Chrysler-Bank folgerichtig die Expansion in andere europäische Länder. Zunächst einmal stehen die rund vier Millionen Daimler-Chrysler-Kunden im Vordergrund. Die Daimler-Chrysler-Bank soll eine „Bank für den Autofahrer“ werden, die sich „so nah wie möglich am Fahrzeuggeschäft“ orientiert. „Wir wollen die Hausbank nicht ersetzen, sondern in Fragen der Geldanlage beraten“, sagt Mangold. Deshalb sieht Mangold das neue Institut auch nicht als Konkurrenz zum Daimler-Großaktionär Deutsche Bank.

Filialen wird es nicht geben. Nur in den Niederlassungen des Autokonzerns in Berlin und Stuttgart sollen Bank-Schalter eingerichtet werden. Ansonsten setzt das Institut wie die Direktbanken auf Internet, Telefon, Fax und Brief. In Saarbrücken steht ein Service-Center. Insgesamt wird die Bank an neun Standorten vertreten sein. Insgesamt zählt das Institut derzeit 1300 Beschäftigte, die über 400000 Kunden mit 600 000 Verträgen betreuen.

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