Wirtschaft : Daimler-Chrysler: Konzern gründet eigene Bank

bfr

Mit der Gründung einer Vollbank baut die Daimler-Chrysler AG ihr Geschäft mit Finanzdienstleistungen deutlich aus. Die neue Daimler-Chrysler Bank werde den Kunden umfassende Bankdienstleistungen anbieten und mit neuen Finanzprodukten weit über das klassische Fahrzeugleasing- und -finanzierungsgeschäft hinausgehen, sagte der Vorstandschef der Daimler-Chrysler-Tochter Debis, Klaus Mangold, am Freitag in Berlin. Nachdem bisher die Mercedes-Benz Finanz GmbH nur eine eingeschränkte Banklizenz besitze, werde sie nun eine Vollbanklizenz beantragen und in Daimler-Chrysler Bank umfirmiert. Mit dem Start rechnet Mangold aber nicht vor Mitte nächsten Jahres, da die Genehmigung durch das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen einige Monate beanspruchen werde.

"Als einer der weltweit führenden Finanzdienstleister werden wir uns damit noch deutlicher entlang der wichtigen Wertschöpfungskette im Automobilbereich aufstellen", sagte Mangold. Zusammen mit der Chrysler Finance Corp sei man weltweit die Nummer vier unter den Finanzdienstleistern außerhalb der klassischen Bankenwelt, in Europa die Nummer eins. Insbesondere Einlagengeschäft, Ansparpläne, Tagesgeldkonten und Investmentfonds würden angeboten. Da mit der deutschen Vollbanklizenz auch die Lizenz für die Europäische Union verbunden ist, seien Niederlassungen in EU-Ländern geplant. Die Bank wird ihren Sitz in Stuttgart haben; alle internationalen Aktivitäten der Bank, die rund 70 Prozent des Gesamtgeschäfts ausmachten, würden aber von Berlin aus gesteuert, so Mangold.

Das neue Institut werde auch eine Daimler-Chrysler Bank Card - eine Kredit- und Kundenkarte - anbieten. Neben dieser kundenbezogenen Karte mit Kredit- und Zahlungsfunktion im Vordergrund werde zudem eine fahrzeugbezogene Service-Karte aufgelegt, die an das jeweilige Fahrzeug gebunden sei und mit Versicherungs- und Telematikleistungen verknüpft werde. Das genaue Angebot für die nach seiner Kenntnis bislang einzigartige Karte werde derzeit aber noch erarbeitet, erklärte Mangold. Sie werde das einzelne Auto jedenfalls auf seinem Lebenszyklus begleiten.

Nach der bisher engen Zusammenarbeit mit der Deutschen Bank werde die neue Daimler-Chrysler Bank die Karten in Eigenregie auflegen und beispielsweise bei dem Vertrieb von Investmentfonds für verschiedene Anbieter offen sein. "Wir wollen eine Direktbank sein und sehen uns nicht als Konkurrenz zur klassischen Hausbank", sagte Mangold. Mit dem Namen will die Bank "die weltweite Ausstrahlung der Marke Daimler-Chrysler" und das Potenzial der rund 15 Millionen Mercedes-Benz- und Debis-Kunden nutzen. Der Name Debis stehe künftig nur noch für das nicht mit der Fahrzeugsparte verbundene Drittgeschäft, das beispielsweise das Flugzeugleasing enthalte. Zudem werde die Debis AG künftig als Daimler-Chrysler Services AG firmieren. "Das ist kein Abschied von Debis, sondern eine Branding-Strategie. Mit der Verbesserung der internationalen Marktposition wird auch der Standort Berlin gestärkt."

Mangold erklärte weiter, Debis werde in diesem Jahr den Umsatz des Vorjahres übertreffen - vor allem auf Grund des ausgebauten Flottenmanagements bei Flugzeugen und Autos. Der zehnprozentige Anteil am Telekom-Unternehmen Debitel werde erst im kommenden Frühjahr an den Schweizer Konzern Swisscom verkauft.

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