Wirtschaft : Daimler-Chrysler-Krise: Konzern rechnet 2001 mit Gewinnrückgang

Die Daimler-Chrysler AG rechnet nach Angaben aus Industriekreisen für 2001 durch die Probleme der US-Tochter Chrysler mit einem Ertragseinbruch, peilt aber für die folgenden Jahre deutlich steigende operative Gewinne an. In Industriekreisen hieß es am Sonntag, die in einem Zeitungsbericht enthaltenen Ergebnisprognosen von Daimler-Chrysler "sind in der Größenordnung richtig". Die Zeitung "Die Welt" hatte vorab berichtet, in diesem Jahr rechne Daimler-Chrysler mit einem Einbruch des operativen Gewinns ohne Berücksichtigung von Einmaleffekten auf 1,3 bis 1,8 (Vorjahr: 5,2) Milliarden Euro. Bis 2002 werde der Betriebsgewinn dann auf 5,5 bis 6,5 Milliarden Euro ansteigen. Im Jahr 2003 solle der operative Gewinn dann 8,5 bis 9,5 Milliarden Euro betragen. Der Konzernumsatz werde 2001 im Vergleich zum Vorjahr um 22,4 Milliarden Euro auf 140 Milliarden Euro sinken. Ein Daimler-Chrysler-Sprecher hatte eine Stellungnahme zu dem Bericht abgelehnt und auf die Bilanzpressekonferenz des Unternehmens am Montag verwiesen. 1999 hatte Daimler-Chrysler bereinigt um Einmaleffekte noch einen operativen Gewinn von 10,3 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Konzept für Mitsubishi

Am heutigen Montag wird das Unternehmen seinen Reformplan für die angeschlagene US-Tochter Chrysler bekannt geben, für den der Konzern nach inoffiziellen Angaben bereits Rückendeckung des Aufsichtsrats erhalten hat. Finanzexperten warten vor allem mit Spannung auf die Bekanntgabe so genannter "Meilensteine", mit der sich Daimler-Chrysler klare Ziele setzen und die Sanierung nachprüfbar machen will. Bekannt ist, dass ein umfassender Stellenabbau und Einsparungen bei den Materialkosten Teile des Konzepts sind. Zeitgleich wird in Japan der japanische Partner Mitsubishi seine Pläne für die eigene Umstrukturierung vorlegen. In Firmenkreisen wird erwartet, dass Mitsubishi und Chrysler künftig gemeinsame Fahrzeugplattformen verwenden sollen.

Der Aufsichtsrat von Daimler-Chrysler hatte sich am Freitag neben der Bilanz für das Jahr 2000 auch mit den Reformplänen befasst. Im Anschluss hatte es in Firmenkreisen geheißen, das Kontrollgremium decke die Strategie des Konzerns voll. Möglicherweise hat der Aufsichtsrat am Freitag formell aber noch nicht über das Konzept entschieden. Die "Financial Times" berichtete am Wochenende, für Montag sei ein erneutes kurzes Treffen des Aufsichtsrats anberaumt, um die Beratung abzuschließen. Durch das Vertagen habe der Konzern vermieden, aus rechtlichen Gründen die Öffentlichkeit bereits am Freitag informieren zu müssen.

Neue Einzelheiten des Plans zum Umbau von Chrysler und Mitsubishi wurden am Wochenende zunächst nicht bekannt. Der Stuttgarter Konzern leidet derzeit erheblich unter den Verlusten seiner US-Tochter Chrysler. Bereits bekannt ist, dass deswegen bei Chrysler 26 000 der 125 000 Stellen gestrichen und 15 Prozent der Materialkosten eingespart werden sollen. Japanische Zeitungen berichteten zuletzt, dass auch bei Mitsubishi mehr als zehn Prozent der Stellen gestrichen werden sollten.

Nach früheren Angaben aus Firmenkreisen sollen die Konzernbereiche auch stärker miteinander verzahnt werden, um die Effizienz zu steigern. Zwischen Mitsubishi und Chrysler werde es wohl einen umfassenden Austausch von Fahrzeug-Plattformen geben, deren Zahl deutlich reduziert werden solle. Zudem sollten in großen Chrysler-Pkw vermutlich verstärkt Mercedes-Teile genutzt werden, um das Image zu verbessern. An dem viertgrößten japanischen Autohersteller Mitsubishi ist Daimler-Chrysler seit dem vergangenen Jahr mit 34 Prozent beteiligt.

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