Wirtschaft : Daimler-Chrysler sammelt Angebote für MTU Erneut Spekulationen über ein Zusammengehen mit Fiat Avio

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Berlin (dr). DaimlerChrysler kommt bei seinen Bemühungen um einen Verkauf der 100-prozentigen Tochter MTU voran. Der Autokonzern will sich auf sein Kerngeschäft konzentrieren. Zeitungsberichten zufolge liegen Daimler-Chrysler fünf Angebote von Risikokapitalgesellschaften vor, die sich bei dem Triebwerkshersteller engagieren wollen. Neben der US-Beteiligungsgesellschaft Carlyle Group sollen auch JF Lehman gemeinsam mit Morgan Stanley und Kohlberg Kravis&Roberts Interesse bekundet haben. Genannt wurde zuletzt auch die US-Gruppe Texas Pacific, die mit einem Angebot für die Bankgesellschaft Berlin gescheitert war.

MTU erzielte im vergangenen Jahr bei einem Umsatz von rund 2,2 Milliarden Euro (minus elf Prozent) eine Kapitalrendite (nach Steuern) von mehr als acht Prozent. Beschäftigt wurden 2002 knapp 8400 (Vorjahr 7800) Mitarbeiter, davon 5500 in München und etwa 600 in Ludwigsfelde bei Berlin. Dort sollen bis 2005 rund zwölf Millionen Euro investiert und rund 240 neue Stellen geschaffen werden, nachdem MTU im Rahmen des Konsortiums EPI den Auftrag für die Triebwerke des neuen Militärairbus A400 M erhielt. Bis zum Ende des Jahrzehnts werden sogar insgesamt 1000 Arbeitsplätze in Ludwigsfelde in Aussicht gestellt.

Daimler-Chrysler bemüht sich seit Jahren um den Verkauf von MTU oder einen Kooperationspartner. Ein Sprecher erklärte auf Anfrage, wenn Veränderungen der Eigentümerverhältnisse bei MTU anstünden, werde Daimler-Chrysler darüber „rechtzeitig informieren“. Große Chancen werden Carlyle eingeräumt. Carlyle hatte Anfang Juli 70 Prozent an dem italienischen Flugzeugmotorenhersteller Fiat Avio übernommen. Nun wird über ein Zusammengehen von MTU und Fiat Avio spekuliert. Fiat Avio war wiederholt auch von MTU als Wunschpartner genannt worden. Allerdings haben die beiden wichtigsten Kunden von MTU, Pratt&Withney sowie General Electric, ein Mitspracherecht bei einem Verkauf, und auch in der Politik wird die Neuordnung der europäischen Rüstungsindustrie genau beobachtet.

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