Wirtschaft : Daimler-Chrysler: Scharfe Kritik an Schrempps Welt-AG

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Mit teilweise scharfer Kritik an seiner Strategie haben Aktionäre den Daimler-Chrysler-Vorstandschef Jürgen Schrempp angegriffen. Auf der Hauptversammlung am Mittwoch in Berlin wurde das Konzept der Welt AG in Frage gestellt. Einzelne Aktionärsvertreter forderten den Verkauf der US-Tochter Chrysler sowie den Rücktritt von Schrempp. Der Vorstandschef bekräftigte die Prognose, dass Daimler-Chrysler dieses Jahr "deutlich mehr als das Doppelte des Ergebnisses des letzten Jahres" erreichen werde; das wären mindestens drei Milliarden Euro.

Im vergangenen Jahr hatte Daimler-Chrysler ein operatives Ergebnis von 1,3 Milliarden Euro ausgewiesen, wegen der Sanierungskosten bei Chrysler, der Lkw-Tochter Freightliner und bei Mitsubishi, aber unterm Strich ein Minus von 662 Millionen Euro eingefahren. Die Dividende für 2001 wurde deshalb um 60 Prozent auf einen Euro gekürzt.

Vor den rund 9500 Aktionären im Berliner ICC verteidigte Schrempp seinen Kurs auf "Platz Nr. 1 in der Automobilindustrie". Kein anderes Unternehmen sei in Nordamerika, Asien und Europa "so gut aufgestellt wie wir". Bei der Sanierung von Chrysler konnte Schrempp einen ersten Erfolg melden: Nach sechs negativen Quartalen in Folge wurde im ersten Quartal 2002 zum ersten Mal "ein leicht positives Ergebnis" erreicht. Am Rande der Hauptversammlung wurde ein Chrysler-Quartalsergebnis von elf Millionen Euro genannt. Mercedes-Benz und Smart hätten ein "gutes erstes Quartal" gehabt, dagegen blieb der Nutzfahrzeugbereich weiter im Minus. "Ende des Jahres" (Schrempp) soll Freightliner die Verlustzone verlassen.

Jörg Pluta von der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz kritisierte die Prognose Schrempps als zu vage. "Uns erbittert ganz besonders, dass Sie sich für die Zukunft sehr unpräzise äußern." Unter dem Applaus der Aktionäre argwöhnte Pluta, "die amerikanische Krankheit (Chrysler und Freightliner) und die asiatische Grippe (Mitsubishi) könnten Daimler-Chrysler den Garaus machen". Der Vorstand solle sich ein Beispiel an BMW nehmen, die sich von der britischen Tochter Rover getrennt hatten, und Chrysler verkaufen. Schließlich regte Pluta an, Schrempp durch den früheren Audi- und jetzigen Bentley-Chef Franz-Josef Paefgen zu ersetzen.

Klaus Kaldemorgen von der Fondsgesellschaft DWS kritisierte die Entwicklung der Daimler-Chrysler-Aktie; seit der Fusion sei von den Autoaktien nur Fiat schlechter gelaufen. Schrempp betonte dagegen, das Daimler-Chrysler-Papier sei 2001 um acht Prozent gestiegen; hinter Toyota komme Daimler-Chrysler auf die zweitgrößte Marktkapitalisierung unter den Autokonzernen. DWS-Vertreter Kaldemorgen beeindruckte das nicht. Er warf Schrempp vor, "mit seiner Expansionsstrategie den Aktionären einiges abverlangt" zu haben. "Wir möchten endlich Gewinne statt unendlicher Möglichkeiten."

Schrempp erläuterte seine Strategie anhand der Markenkooperation. Smart und Mitsubishi entwickelten gemeinsam einen Smart-Viersitzer, von dem ab 2004 jährlich 300 000 Stück verkauft werden sollen, jeweils abgestimmt auf die Märkte. In der Kompakt- und Mittelklasse kooperieren Chrysler und Mitsubishi. Für fünf neue Modelle werde an gemeinsamen Plattformen gearbeitet. "Ab 2004 planen wir hier mehr als eine Million Einheiten", sagte Schrempp. Und von Mercedes-Benz entwickelte Komponenten würden zunehmend konzernübergreifend eingesetzt. Zum Beispiel Diesel-Technologie im Chrysler PT Cruiser oder Mercedes-Motoren und -Getriebe für die Lkw-Tochter Freightliner. Ferner seien bei allen Konzernmarken rund 30 Prozent aller Komponenten als Standardteile identifiziert, die nun gemeinsam entwickelt, beschafft oder hergestellt werden können.

Der Austausch von Autoteilen wird Schrempp zufolge nicht die Marke Mercedes beschädigen. "Im Gegenteil, bei Mercedes werden durch die erhöhten Stückzahlen die Entwicklungskosten deutlich schneller amortisiert", sagte der Konzernchef.

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