Wirtschaft : Daimler-Chrysler: Schlechte Nachrichten

Alfons Frese

Jeden Tag einen schlechte Nachricht - Jürgen Schrempp braucht in diesen Wochen ein dickes Fell. Oder gute Nerven. Und in jedem Fall Rückhalt durch seinen Aufsichtsratsvorsitzenden Hilmar Kopper. Dass mit dem Rückhalt dürfte klappen, denn neben Schrempp und Daimler-Chrysler-Finanzvorstand Manfred Gentz ist auch Kopper vom US-Investor Kirk Kerkorian verklagt worden; es geht um ein paar Milliarden Dollar. Die Aktie im Keller, Milliardenverluste bei Chrysler, die ganze Konzernstrategie unter Verdacht und dann auch noch der Angriff des drittgrößten Aktionärs. Sprengt der Kasino-Betreiber Kerkorian das transatlantische Unternehmen und jagd dabei Schrempp gleich mit in die Luft? Kaum. Der Kläger wirft Schrempp eine Täuschung der Aktionäre vor, weil die Fusion vor zwei Jahren als "Zusammenschluss von Gleichen" verkauft worden war und der Vorstandsvorsitzende heute mehr oder weniger offen zugibt, dass es faktisch eine Übernahme von Chrysler durch Daimler-Benz gab. Na und?

Niemand in der Branche kann ernsthaft geglaubt haben, Daimler und Chrysler würden vollkommen gleichberechtigt im Laufe von Jahren das Zusammenwachsen üben. Vielmehr muss einer den Hut aufhaben und die Richtung vorgeben. Und das ist Daimler und das ist Schrempp. Wenn das im Mai 1998 deutlich gewesen wäre, hätte es erheblich größere Widerstände gegen die Fusion gegeben. Das weiss auch ein Profi-Spekulant wie Kerkorian, dem es vermutlich nur um ein hübsches Sümmchen im außergerichtlichen Vergleich geht. Trotzdem kein Grund zur Gelassenheit für Schrempp: Wenn die schlechten Nachrichten nicht aufhören, dann wird es noch ganz eng.

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