Wirtschaft : Daimler-Chrysler: Spekulationen über bessere Zahlen

brb/ajo

Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp hat offenbar Grund zur Gelassenheit, wenn er am 20. Juli die Halbjahreszahlen für sein größtes Sorgenkind vorlegt. Der Verlust der amerikanischen Autosparte Chrysler soll im zweiten Quartal bei etwa 230 Millionen Euro liegen. Analysten hatten hingegen ein Minus von 300 bis 700 Millionen Euro erwartet. Im Unternehmen wurden gestern entsprechende Berichte von US-Zeitungen grundsätzlich bestätigt. Offiziell will der Autokonzern aber erst am 20. Juli Stellung nehmen.

Nach einer Welle von Hiobsbotschaften hat Chrysler damit erstmals wieder für positive Nachrichten gesorgt. Der Kapitalmarkt nahm die Nachricht entsprechend positiv auf. Die Daimler-Aktie stieg um rund 3,5 Prozent auf über 56 Euro. Das US-Investmenthaus JP Morgan und die WestLB-Panmure stuften das Papier auf "kaufen" beziehungsweise "neutral" hoch.

Bessere Chrysler-Zahlen wertet Christian Breitsprecher von der Deutschen Bank als "positives Zeichen, dass die Sanierung der US-Sparte vorankommt". Im ersten Quartal 2001 hat Chrysler einen Betriebsverlust von 1,4 Milliarden Euro ausgewiesen. Hinzu kamen einmalige Umstrukturierungskosten von drei Milliarden Euro. Dies hatte dazu geführt, dass der Gesamtkonzern tief in die roten Zahlen stürzte. Im Februar hatte deshalb Chrysler-Chef Dieter Zetsche scharf gegengesteuert. Er verkündete einen drastischen Sanierungsplan, der Werksschließungen und den Abbau von 26000 Stellen vorsieht.

Analysten warnen trotz der positiven Überraschung vor Euphorie. "Ich mahne zur Vorsicht", sagt Michael Raab vom Bankhaus Sal. Oppenheim. "Das zweite Quartal ist in den USA traditionell das stärkste", argumentiert Pia-Christina Schulze vom Bankhaus Merck Finck. Ohnehin erwarten die Analysten, dass das dritte Quartal für Chrysler schwierig wird. Denn im Herbst kommt der neue Kleintransporter Dodge Ram auf den Mark - für Chrysler ein wichtiger Umsatzträger. Modellanläufe aber sind stets mit hohen Kosten verbunden.

Weitere Belastungen sind zudem nicht auszuschließen. So geben die Marktbeobachter keine Entwarnung für den US-Markt, obwohl die Absatzzahlen bisher besser sind als erwartet. Die hohen Verkäufe seien durch weiter steigende Rabatte erkauft, warnt Analyst Raab. Laut Merrill Lynch hat Chrysler im Juni im Vergleich zum Vorjahr die Rabatte im Schnitt um 13,5 Prozent auf 2547 Dollar je Fahrzeug erhöht. Wie schwierig der US-Markt geworden ist zeige sich auch daran, dass jetzt sogar Mercedes-Benz erstmals Rabatte in Höhe von im Schnitt 919 Dollar gewährt.

Mit Spannung warten die Beobachter nun auf den 20 Juli: Wird Daimler-Chrysler seine Jahresprognose für die US-Sparte anheben? Ob das Konzernergebnis insgesamt besser ausfallen wird, hängt dann auch vom zweiten Sanierungsfall, der US-Nutzfahrzeugtochter Freightliner, ab. Das Unternehmen leidet unter dem dramatischen Einbruch des US-Marktes für Lkw.

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