Wirtschaft : Daimler-Chrysler: Stuttgarter Konzern baut Einfluss bei Mitsubishi deutlich aus

Daimler-Chrysler hat seinen Einfluss beim japanischen Partner Mitsubishi Motors deutlich ausgebaut. Der Stuttgarter Konzern wird mit dem derzeitigen Adtranz-Chef Rolf Eckrodt künftig die Nummer zwei des Unternehmens stellen und für seine 34-prozentige Beteiligung 200 Millionen Euro (rund 391 Millionen Mark) weniger als ursprünglich vorgesehen bezahlen. Das teilten beide Unternehmen am Freitag mit. Mitsubishi-Chef Katsuiko Kawasoe soll zum 1. November von seinem bisherigen Stellvertreter Takashi Sonobe abgelöst werden. Es wurde außerdem vereinbart, dass Daimler-Chrysler nach drei Jahren seinen Anteil an Mitsubishi unbegrenzt erhöhen kann. Der Aktienkurs des Unternehmens legte bis zum Freitagmittag um 0,36 Euro auf 58,20 Euro zu.

"Ich bin überzeugt, dass diese Vereinbarung und der neue Vorstand von Mitsubishi Motors zum Erfolg unserer Allianz führen", sagte Konzernchef Jürgen Schrempp. "Mitsubishi wird das Vertrauen seiner Kunden wieder vollständig zurückgewinnen." Das japanische Verkehrsministerium hatte am Freitag Anzeige gegen das Unternehmen erstattet. Mitsubishi-Chef Kawasoe erklärte daraufhin, er übernehme die Verantwortung und trete zurück. Der Autobauer hatte in den vergangenen Wochen zugegeben, Mängel an Fahrzeugen über Jahrzehnte vertuscht zu haben. Insgesamt werden weltweit 620 000 Fahrzeuge in die Werkstätten zurückgerufen, davon 32 000 in Deutschland.

Vor der Mitteilung der Unternehmen waren Beobachter davon ausgegangen, dass Daimler-Chrysler seinen Anteil kurzfristig auf knapp unter 40 Prozent ausbaut. Eine noch höhere Beteiligung hätte zum jetzigen Zeitpunkt bedeutet, dass der deutsche-amerikanische Konzern unter Umständen die Milliarden-Schulden von Mitsubishi Motors in seiner Bilanz ausweisen müsste. "Es ist für uns von größerer Bedeutung, nach drei Jahren den Anteil unbegrenzt erhöhen zu können als ihn jetzt um wenige Prozentpunkte aufzustocken", sagte eine Daimler-Chrysler-Sprecherin. Nach Medienberichten wollte Mitsubishi in der ursprünglichen Vereinbarung noch eine Frist von zehn Jahren für einen deutlichen Ausbau der Daimler-Chrysler-Beteiligung setzen.

Der Kaufpreis für den Mitsubishi-Anteil verringert sich nach der Vereinbarung von 2,4 Milliarden Euro auf 2,2 Milliarden Euro. Der Abschluss soll im Oktober erfolgen. Durch die Nominierung Eckrodts werde der Vorstand des japanischen Autoherstellers von zehn auf elf Mitglieder erweitert, hieß es. Der 58-Jährige Eckrodt soll seine neue Tätigkeit als Chief Operating Officer (COO) nach der erfolgreichen Abwicklung des Verkaufs der Daimler-Chrysler-Bahntochter Adtranz an den kanadischen Bombardier-Konzern aufnehmen.

Eckrodt gilt als Experte für Krisenmanagement und übernimmt bei Mitsubishi Motors die Verantwortung für Forschung und Entwicklung, Produktion, Qualitätsmanagement, Einkauf, Marketing und Vertrieb. Der scheidende Präsident und Vorstandschef Kawasoe wird dem Mitsubishi-Leitungsgremium (Board) nach dem 1. November in der Funktion eines Aufsichtsrates angehören.

Künftig sind damit vier Daimler-Chrysler-Manager im Board vertreten, drei davon im operativen Geschäft. An Mitsubishi Motors sind neben Daimler-Chrysler weitere Unternehmen der Mitsubishi-Gruppe, die amerikanische Investmentgesellschaft Capital Research & Management und der schwedische Autohersteller Volvo beteiligt.

Analysten beurteilten die jetzige Vereinbarung überwiegend positiv. Christian Breitsprecher von der Deutschen Bank erwartet, dass Daimler-Chrysler durch die angekündigte Entsendung weiterer Manager aus Ebenen unterhalb des Vorstandes nun die Sanierung von Mitsubishi schneller vorantreiben werde als bisher geplant.

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