Wirtschaft : Daimler-Chrysler vor Gericht

Berliner Gericht entscheidet über Rausschmiss eines Managers/Konzern zahlte Hausrenovierung

Alfons Frese

Berlin - Wenn man möchte, dann kann man in den Worten des Richters eine Tendenz erkennen. Von einer „hohen Verantwortung des Verkäufers“ sprach der Arbeitsrichter, und diese Verantwortung gegenüber dem eigenen Arbeitgeber wiege um so schwerer, je größer der Kompetenzbereich des Verkäufers sei. Jürgen Fahr war ein ziemlich wichtiger Verkäufer. Bei Daimler-Chrysler verantwortete er den Verkauf der Marken Mercedes, Smart und Maybach in Deutschland. Das ist ein paar Monate her, denn Fahr wurde gekündigt. Er soll gegen Unternehmensrichtlinien verstoßen haben und in einem Beziehungsnetzwerk gesteckt haben, in dem es Vorteilsnahme und Begünstigung Dritter zu Lasten der Daimler-Chrysler AG gegeben haben könnte. Fahr klagte gegen seine Kündigung, am Donnerstag wurde vor dem Berliner Arbeitsgericht verhandelt.

Die trübe Geschichte, in der die Staatsanwaltschaft gegen 17 Personen ermittelt, hat ein paar Hauptdarsteller. Der bedeutendste ist Eckhard Panka, bis Ende letzten Jahres Chef des Deutschland-Vertriebs von Daimler-Chrysler und direkter Vorgesetzter von Fahr. Panka ließ das Haus seiner Freundin auf Mallorca auf Kosten des Konzerns renovieren. Ende letzten Jahres flog das auf; Panka gab alles zu und beendete sein Arbeitsverhältnis bei Daimler-Chrysler. Er behält aber offenbar den Anspruch auf die Altersbezüge, den Fahr verlieren wird, wenn seine fristlose Kündigung rechtens ist.

Franz Attinger ist Bauunternehmer und Autohändler. Attinger hat ein paar hundert Bauprojekte für Daimler und das Haus in Mallorca betreut. Und Attinger war ein privilegierter Mercedes-Händler: Er bekam auf Luxuslimousinen Mengenrabatte, hielt sich aber nicht an die Haltedauer (mindestens sechs Monate), sondern verkaufte die Autos vorzeitig und mit Gewinn weiter.

Jürgen Fahr hängt gewissermaßen zwischen Panka und Attinger. Fahr, seit 1977 bei Daimler, werden zwei Dinge vorgehalten: Er soll eine Baurechnung in Höhe von 50000 Euro als „sachlich in Ordnung“ zur Bezahlung angewiesen haben; diese 50000 Euro sollen benötigt worden sein für die Maßnahmen auf Mallorca in dem Haus von Pankas Freundin, die übrigens die Ex-Ehefrau von Fahr ist.

Zum anderen wird Fahr vorgeworfen, Attinger einen Mengenrabatt eingeräumt zu haben, obwohl diese Firma keine Berechtigung dazu hatte. Aber da Attinger eben vielfältige Beziehungen zu Daimler-Mitarbeitern pflegte, sieht das so aus, als habe Fahr ohne Prüfung die Rabatte gewährt. Der Beschuldigte versuchte sich am Donnerstag zu entlasten: Attinger habe bereits früher Mengenrabatte bekommen und sogar der Mercedes-Vorstand habe davon gewusst. Im Übrigen habe er von privaten Leistungen der Attinger-Gruppe nicht profitiert und auch keine Kenntnis davon gehabt. Das lässt die Gegenseite nicht gelten. Der Daimler-Anwalt spricht von „erhöhten Anforderungen“ an eine Führungskraft, die mit 300000 Euro im Jahr bezahlt wird. „Herr Dr. Fahr, wofür haben Sie Ihre Bezüge bekommen?“ Und der Richter kann nicht verstehen, dass man Attinger mit zum Teil vier Mitarbeitern einen Fuhrpark von 70 Autos zur Verfügung stellte. Das Urteil wird Ende Oktober erwartet.

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