Wirtschaft : Daimler-Chrysler: Warten auf Value

10.04.2002 00:00 UhrVon Alfons Frese

Jürgen Schrempp trat müde und etwas zerknittert vor die Daimler-Chrysler-Aktionäre. So, als käme er gerade von einer mehrtägigen Baustellenbesichtigung: In Tokio die hochverschuldete Mitsubishi Motor inspiziert und in den USA den Sanierungsstand bei Chrysler und Freightliner überprüft. Ergebnis der Rundreise durch seine Welt AG und Botschaft an die Aktionäre: Alles wird gut. Wir machen alles richtig und liegen voll im Plan. Leider fehlt vielen Anteilseignern der Glaube.

Tatsächlich müssen sie sich nun schon einige Jahre anhören, wie toll die Strategie Schrempps sei und dass der deutsch-amerikanische Konzern Daimler-Chrysler sich auf dem Weg zur Nr.

1 in der Autoindustrie befinde. Der erbärmliche Kursverlauf der Aktie seit der Fusion 1998 und die jüngste Dividendenkürzung um 60 Prozent widerlegen die Versprechungen des Vorstands. Jedenfalls in der Gegenwart. Aber es gibt Hinweise, dass die Zukunft tatsächlich besser wird: Chrysler hat offenbar die Wende geschafft und die Kapazitäten bei der Lkw-Tochter Freightliner sind so zusammengestaucht worden, dass Ende des Jahres die Verlustzone verlassen wird.

Unsicher bleibt dagegen die Lage bei Mitsubishi; die hochverschuldete Daimler-Beteiligung leidet schwer unter der Rezession in Japan. Doch die Kooperation in Forschung und Entwicklung sowie der Austausch von Teilen zwischen den einzelnen Konzernmarken wird auch Mitsubishi den Weg zu Profiten verkürzen. Der Technologietransfer von der Premium-Marke Mercedes zu den Billiganbietern Chrysler und Mitsubishi kann den ganzen Konzern nach vorn bringen. Schrempp hat Recht: In Asien, den USA und Europa ist Daimler-Chrysler gut positioniert.

Jetzt muss die Konjunktur in Schwung kommen und neue Produkte müssen die Kundschaft begeistern. Das passt nicht zu kurzfristigem Shareholder-Value-Denken: Neue Modelle kommen nach und nach auf den Markt, eine Modernisierung der Modellpalette braucht Jahre. Die Aktionäre werden sich weiter in Geduld üben müssen - Jürgen Schrempp auch. Sein Vertrag läuft bis 2005. Spätestens dann sollte der Konzern wieder so profitabel sein wie 1999.

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