Wirtschaft : Daimler-Chrysler: Weitere Klagen in den USA gegen den Konzern

Mehrere große amerikanische Anwaltsfirmen haben weitere Sammelklagen gegen die Daimler-Chrysler AG und ihren Vorstandsvorsitzenden Jürgen Schrempp bei Gerichten der US-Bundesstaaten Delaware und Michigan eingereicht. Zuvor hatten bereits mehrere andere Anwaltsfirmen Sammelklagen gegen Daimler-Chrysler und Schrempp eingereicht.

Die Anwaltskanzlei Berman DeValerio (Boston) warf Daimler-Chrysler Wertpapierbetrug vor. In den Klageschriften wird dem Unternehmen und Schrempp vorgeworfen, die Chrysler- und die Daimler-Chrysler-Aktionäre hinters Licht geführt zu haben. Der Zusammenschluss der Automobilkonzerne Daimler-Benz und Chrysler sei als "Fusion von Gleichen" bezeichnet worden, während immer eine Umwandlung von Chrysler in eine untergeordnete "Divison" (Sparte) geplant gewesen sei. In der Klage von Berman DeValerio hieß es, die Aktionäre hätten nie für die Fusion gestimmt, falls sie die Wahrheit gewusst hätten.

Die Anwaltsfirmen folgten mit ihren Klagen, die für angeblich geschädigte Chrysler- und Daimler-Chrysler-Aktionäre eingereicht wurden, der Klage des drittgrößten Daimler-Chrysler-Aktionärs Kirk Kerkorian. Dieser will insgesamt rund acht Milliarden Dollar von Daimler-Chrysler haben.

Die Kanzleien verlangen in ihren Sammelklagen Entschädigungen für die ausgefallene "Kaufprämie". Bei einer Übernahme hätte Daimler-Benz nach ihrer Meinung mehr für Chrysler zahlen müssen als bei einer Fusion. Sie verlangen auch die Differenz zwischen dem Wert der Chrysler-Aktien, die die Aktionäre gegen DaimlerChrysler-Aktien eingetauscht hatten, und dem inzwischen stark gefallenen Kurs der Daimler-Chrysler-Aktien. Außerdem verlangen sie Strafentschädigungen, um die Beklagten für ihre angeblichen Lügen zu bestrafen. Schließlich soll Chrysler wieder verselbstständigt werden. All dies hatte auch Kerkorian über seine Holdinggesellschaft Tracinda in seiner Klage gefordert. Sammelklagen sind eine Eigenart amerikanischen Rechts, bei der Kläger mit gleichen Beschwerden gemeinsam gerichtlich aktiv werden können.

Gleichzeitig kündigte Daimler-Chrysler am Freitag an, die Produktion in den USA im Dezember um 50 000 Autos auf 130 000 Fahrzeuge kürzen. Dadurch sollen die hohen US-Händlerbestände mit abgebaut werden. Die Fertigung in mehreren der zwölf Autofabriken in den USA und Kanada soll wochenweise ausgesetzt werden. Gleichzeitig teilte das Unternehmen mit, dass der US-Absatz im November um fünf Prozent auf 184 065 Fahrzeuge gefallen ist.

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