Daimler-Chrysler : Zetsche spricht mit Gewerkschaftern

Kommende Woche soll ein erstes Treffen zwischen Daimler-Chrysler-Chef Zetsche und Vertretern der amerikanischen Gewerkschaft stattfinden. Thema ist der mögliche Verkauf von Chrysler.

New York - Noch immer alles möglich bei Chrysler. Während ständig über neue Angebote und Interessenten berichtet wird, ist auch ein Verbleib der Marke im Konzern eine realistische Option. Wie wahrscheinlich das ist, hängt vor allem von den Tarfiverhandlungen mit der Auto-Gewerkschaft UAW ab. Am Dienstag treffen sich Konzern-Chef Dieter Zetsche und Vertreter der mächtigen Arbeiterorganisation zu ersten Sondierungen.

An dem Gespräch nehmen laut Onlineausgabe des "Wall Street Journal" der Präsident der amerikanischen Automobilarbeitergewerkschaft UAW (United Auto Workers), Ron Gettelfinger, Konzern-Betriebsratsvorsitzender Erich Klemm und Jerry Dias von der kanadischen Automobilarbeitergewerkschaft sowie andere Arbeitnehmervertreter teil. Der mögliche Verkauf der Chrysler Group sei das Hauptthema. Über den Ort des Treffens war am Sonntag nichts zu erfahren.

"Es ist keine Frage, dass der Chrysler-Verkauf der Hauptbrennpunkt ist. Wir wollen Zetsche eine Menge Fragen stellen", erklärte Dias der Zeitung. Er ist ein Assistent von Buzz Hargrove, dem Präsidenten der kanadischen Automobilarbeitergewerkschaft.

Nach Darstellung der Zeitung wolle Zetsche aber nur erläutern, dass Chrysler mit potenziellen Partnern über einen möglichen Chrysler-Verkauf rede und dass alle Optionen auf dem Tisch seien. Der Aufsichtsrat werde sich am folgenden Tag treffen, und kommende Woche finde auch ein Vorstandstreffen statt.

Konzessionen bei der Krankenversicherung

Die UAW habe die "sehr skizzenhaften" Vorschläge zum Kauf überprüft, die eine Gruppe von 25 Chrysler-Mitarbeitern aus Toledo gemacht hätten, berichtete Gettelfinger. Diese Aussage habe er am Freitag in einem Rundfunk-Sender in Detroit gemacht, berichtete die "Detroit News" in ihrer Onlineausgabe. Sie hätten vorgeschlagen, dass die Chrysler-Beschäftigten 70 Prozent des Unternehmens über einen so genannten "ESOP"-Plan (Employee Stock Ownership Program) kaufen sollten. Als Gegenleistung wollten sie Konzessionen bei den Krankenversicherungskosten machen. "Wir hören auf Leute, und wir hören gewiss auf unsere Mitglieder", betonte Gettelfinger. Die Chrysler-Arbeiter, die einen ESOP-Plan vorgeschlagen hatten, halten ihn für die beste Lösung für die 50.000 von der UAW vertretenen Chrysler-Beschäftigten.

ESOP-Pläne waren 1974 durch den amerikanischen Kongress geschaffen worden. Die steuerbegünstigten ESOP-Programme ermöglichen es Mitarbeitern von US-Unternehmen, sich über Treuhandfonds an den eigenen Unternehmen zu beteiligen. Es gibt nach Darstellung der Zeitung 1400 US-Unternehmen mit ESOP-Plänen. Sie beschäftigen insgesamt eine Million Mitarbeiter.

UAW bevorzugt Verbleib im Konzern

Auf die Frage, ob die UAW für Chrysler bieten werde, betonte der amerikanische Gewerkschaftsboss, man habe "nichts ausgeschlossen". Gettelfinger zieht es jedoch nach eigenen Angaben vor, dass Chrysler Teil von Daimler-Chrysler bleibt. Die Gewerkschaft habe jedoch einen "Kriegsrat" eingerichtet, um die vielen Kaufvorschläge für Chrysler zu prüfen.

Für Chrysler interessieren sich die Investmentfirma Cerberus Capital Management sowie die Blackstone Group, die gemeinsam mit Centerbridge Capital Partners vorgeht. Der kanadische Zulieferant Magna will gemeinsam mit der kanadischen Investmentfirma Onex Chrysler übernehmen. Der amerikanische Milliardär Kirk Kerkorian hatte 4,5 Milliarden Dollar für Chrysler geboten und wollte die Mitarbeiter am Kauf beteiligen. Kerkorian wollte sich angeblich mit der Gruppe treffen, die eine Mitarbeiterbeteiligung vorgeschlagen hatte. (tso/dpa)

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