Daimler : Mehr Geld vom Golf

Der Einstieg der Investmentgesellschaft Aabar aus dem Emirat Abu Dhabi soll Daimler helfen. Schon jetzt schließt der neue Großaktionär eine Aufstockung der Beteiligung nicht aus.

Michael Backfisch[Carsten Herz],Martin Buchenau

Frankfurt am Main/Stuttgart - Die Regierung spricht von einem positiven Signal, auch Daimler-Boss Dieter Zetsche zeigt sich erfreut: Der Einstieg von Abu Dhabi soll dem Autokonzern helfen, die schwere Branchenkrise zu überstehen – und sich langfristig abzusichern. Der Daimler-Chef nannte am Montag in Stuttgart gleich drei Gründe für die geplante Kooperation mit der Investmentgesellschaft Aabar aus dem Emirat Abu Dhabi: Mit der Gesellschaft erhalte Daimler einen neuen „Schlüsselinvestor“, verbessere seine Kapitalsituation und bekomme einen langfristigen starken Partner, mit dem es möglich sei, die schwierigen Zeiten in der Autobranche zu meistern.

Bereits am Sonntagabend hatten der Staatsfonds und der Autobauer verkündet, dass Aabar sich mit 9,1 Prozent bei Daimler einkauft und damit zum wichtigsten Anteilseigner wird. Das bringt dem Autobauer 1,95 Milliarden Euro. Der Investor aus Abu Dhabi wird von der staatlichen International Petroleum Investment Company (Ipic) kontrolliert. Der Einstieg bei Daimler wird durch die Ausgabe neuer Aktien vollzogen.

Daimler und Aabar wollen künftig bei verschiedenen Projekten zusammenarbeiten, etwa bei der Entwicklung von Elektrofahrzeugen, neuen Verbundwerkstoffen auf petrochemischer Basis sowie der Ausbildung von jungen Ingenieuren in der Golfregion. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen strebt Abu Dhabi bei seinem Projekt einer ersten CO2-freien Stadt der Welt eine enge Zusammenarbeit mit den Stuttgartern an. „Wir sehen uns da als natürlichen Partner“, sagte Daimler-Chef Zetsche. Für rund 15 Milliarden Dollar entsteht derzeit in Abu Dhabi eine Forschungsstadt mit 50 000 Einwohnern, die ihre eigene Energie produziert, ohne Autoverkehr auskommt und CO2-frei sein soll. Daimler verfügt durch ein Joint Venture mit dem Industriekonzern Evonik seit kurzem über Know-how bei der Fertigung von Lithium-Ionen-Batterien. Die Stuttgarter hatten erst Anfang März den Startschuss dafür gegeben. An der neuen Gesellschaft ist Daimler mit 90 Prozent beteiligt, den Rest hält Evonik.

Eine Fahrzeugfertigung von Daimler in Abu Dhabi ist dagegen nicht geplant. Der Staatsfonds sehe sich der Förderung „sauberer Energien“ verpflichtet, sagte der Vorstand der Investmentfirma Aabar, Khadem al Kubaisi in Stuttgart. In die Unternehmensstrategie von Daimler wolle Ipic nicht eingreifen, aber mehr Einfluss nehmen als der zweite Aktionär Kuwait. „Das Management macht einen hervorragenden Job, wir wollen von ihnen lernen und uns aus dem Tagesgeschäft heraushalten.“ Der neue Daimler-Großaktionär schloss eine weitere Aufstockung seiner Beteiligung an dem Automobilhersteller allerdings nicht aus. „Eine mögliche Erhöhung des Anteils muss später untersucht werden. Im Moment sind wir zufrieden mit 9,1 Prozent“, sagte al Kubaisi. Nach „Handelsblatt“-Informationen aus Unternehmenskreisen wird der Investor schon im nächsten Jahr einen Platz im Daimler-Aufsichtsrat erhalten. Im Führungskreis sei bereits vereinbart, dass der staatlich kontrollierte Fonds nach der Hauptversammlung 2010 mit einem Vertreter in das Kontrollgremium einzieht.

Die Bundesregierung begrüßte das Engagement von Aabar bei Daimler. „Die Bundesregierung sieht das als ein positives Signal. Mit der Investition werden auch die langfristigen Wachstumschancen und die Leistungsstärke der Branche in Deutschland anerkannt“, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm in Berlin.

Auch dem Daimler-Management dürfte ein Stein vom Herzen gefallen sein. Bedeutet Abu Dhabi für den Vorstand neben einer milliardenschweren Kapitalspritze auch ein Stück Planungssicherheit in schwerer Zeit. Zudem dürfte der neue Großaktionär den Stuttgartern etwas die Angst vor einer feindlichen Übernahme nehmen: Das Risiko ist mit dem Einstieg deutlich gesunken. HB

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