Wirtschaft : Daimler-Mitarbeiter sind sauer auf den Chef

Nach 8500 Stellen bei Mercedes fallen nun 6000 Arbeitsplätze in der Verwaltung weg / Zentrale zieht nach Untertürkheim

Alfons Frese

Berlin - Mit Verärgerung haben Arbeitnehmervertreter auf die angekündigten Stellenstreichungen bei Daimler-Chrysler reagiert. „Personalabbau wird für den Vorstand offenbar zum zentralen Mittel der Effizienzsteigerung“, klagte Betriebsratschef Erich Klemm. Der Daimler- Chrysler-Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche hatte am Dienstag den Abbau von 6000 Arbeitsplätzen in der Verwaltung angekündigt, darunter knapp ein Drittel Führungskräfte.

Bereits im September hatte Zetsche die Streichung von 8500 Jobs in den deutschen Mercedes-Werken durchgesetzt. Bei der Stuttgarter IG Metall hieß es auf Anfrage, Zetsches Vorgänger Jürgen Schrempp habe zwar „Profit, Profit, Profit“ als oberstes Ziel ausgegeben, dann aber jedoch, anders als Zetsche, Rücksicht auf die Arbeitnehmer genommen. Zetsche, bis dahin Chef von Chrysler, war im September an die Spitze der Mercedes Car Group gewechselt und ist seit Anfang dieses Jahres auch Vorstandsvorsitzender.

Die Börse reagierte am Dienstag begeistert auf die neuen Personalstreichungen. Zeitweise notierte die Aktie mehr als vier Prozent im Plus. Das Papier schloss dann mit plus 3,8 Prozent bei 44,28 Euro.

Der Aufsichtsrat des Konzerns billigte in seiner Sitzung am Dienstag ein „neues Führungsmodell“ auch mit den Stimmen der Arbeitnehmervertreter. Auf der Sitzung des Aufsichtsrats im April sollen dann die geplanten Personaleinsparungen dem Gremium zur Genehmigung vorgelegt werden. Im Rahmen einer Telefonkonferenz für Medienvertreter und Analysten betonte Zetsche im Anschluss an die gestrige Aufsichtsratssitzung, „Personalabbau in Deutschland geht nicht über Nacht“. Das gilt für Daimler-Chrysler in besonderem Maße, weil dort betriebsbedingte Kündigungen bis 2012 durch einen Beschäftigungssicherungsvertrag ausgeschlossen sind. „Jetzt zeigt sich, dass dieser Vertrag Gold wert ist“, hieß es bei der IG Metall. In Deutschland ist der Personalabbau also nur freiwillig möglich, indem Beschäftigte eine Abfindung nehmen und gehen. Für die 8500 Mercedes-Arbeiter, die seit dem letzten Herbst einen Aufhebungsvertrag unterschreiben können, stellt Daimler-Chrysler 950 Millionen Euro zur Verfügung.

Für die neu hinzukommenden 6000 Verwaltungsarbeitsplätze setzt Zetsche die Kosten bei zwei Milliarden Euro an, verteilt auf drei Jahre bis Ende 2008. Die Summe soll reichen für Abfindungen und Investitionen in die neue Führungsstruktur. Als Beispiel nannte Zetsche die Standardisierung von Software. Dem Aufwand von zwei Milliarden Euro stehen jährliche Einsparungen von einer Milliarde Euro gegenüber. Während der Telefonkonferenz sagte der Konzernchef, mit der neuen Struktur werde Daimler-Chrysler „eine Firma“, die sich voll auf Entwicklung, Produktion und Verkauf von Autos konzentriere.

Die Ende der 80er Jahre auf der grünen Wiese entstandene Unternehmenszentrale in Stuttgart-Möhringen wird nun deutlich ausgedünnt. Die Manager ziehen ins Mercedes-Motorenwerk nach Stuttgart-Untertürkheim. „Wir wollen den Vorstand da haben, wo die Action ist“, begründete Zetsche den Umzug. Einige Servicefunktionen sollen in Möhringen bleiben. Derzeit arbeiten in der von Schrempp „Bullshit Castle“ genannten Zentrale rund 5000 Personen. Der überwiegende Teil davon hat künftig seinen Arbeitsplatz woanders oder verlässt sogar das Unternehmen. Die 6000 wegfallenden Arbeitsplätze – insgesamt beschäftigt Daimler-Chrysler 30 000 Personen in der Verwaltung – verteilen sich zu 60 Prozent auf Deutschland, 25 Prozent auf Nordamerika und 15 Prozent auf den Rest der Welt. Im Berliner Motorenwerk, wo rund 3000 Personen arbeiten, gab es am Dienstag noch keine Informationen über einen Stellenabbau.

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