Daimler : Pfiffe für Zetsche

Daimler-Chef stellt nach der Verlagerung der C-Klasse zusätzliche Stellen in Sindelfingen in Aussicht.

Martin Buchenau
Daimler
Arbeit am Montageband. Insgesamt beschäftigt Daimler im Werk Sindelfingen 36.000 Mitarbeiter. -Foto: dpa

Stuttgart - Daimler-Chef Dieter Zetsche hat am Montag versucht, die aufgebrachten Beschäftigten im Werk Sindelfingen zu besänftigen. „Niemand im Werk Sindelfingen wird durch die Verlagerung der C-Klasse seine Arbeit verlieren“, sagte Zetsche. Damit stellte er den Mitarbeitern auf einer Betriebsversammlung im größten Mercedes-Werk quasi eine Beschäftigungsgarantie aus. Generell wolle er den Standort Sindelfingen verlässlich sichern, versprach Zetsche den Beschäftigten, von denen mehrere Tausend gekommen waren: „Auch dazu gebe ich hier eine verbindliche Zusage – die nächste Generation der E- und S-Klasse wird definitiv hier in Sindelfingen gebaut.“

In der Vorwoche hatte das Daimler-Management entschieden, die Produktion der C-Klasse in die USA und nach Bremen zu verlagern. Die Mitarbeiter reagierten am Montag zurückhaltend auf die nun gemachten Versprechen. „Wir brauchen das schriftlich, verbindlich und klar“, sagte Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm. Er fordert den Vorstand zudem auf, bis 2020 auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Zetsche war bei der Betriebsversammlung mit Buhrufen und einem Pfeifkonzert empfangen worden.

Klemm sagte noch einmal, dass er die Entscheidung zur Verlagerung der C-Klasse für falsch hält. Bereits am Freitag hatten 15 000 Beschäftigte gegen den Beschluss demonstriert. Das Misstrauen gegenüber dem Vorstand sitzt bei den Beschäftigten tief. Zwar rechnete Zetsche vor, insgesamt entstünden am Standort 200 Jobs mehr, als durch die Verlagerung der C-Klasse nach Bremen und ins US-Werk Tuscaloosa verloren gingen. Doch wie genau diese Jobs aussehen sollen, bleibt unklar. „Sindelfingen bleibt auch künftig unser wichtigstes Werk und der Dreh- und Angelpunkt für die zweite Erfindung des Automobils“, rief Zetsche den Beschäftigten zu. Der Vorstandschef verteidigte die Entscheidung bezüglich der C-Klasse: „Jede fünfte C-Klasse weltweit verkaufen wir bereits heute in den USA – und es hat unabweisbare Vorteile, wenn wir ab 2014 auch jede fünfte C-Klasse dort produzieren.“

Neben der Montage des Sportwagens SL werde Daimler weitere Aufgaben nach Sindelfingen holen, kündigte Zetsche an. Zudem sollten Arbeitskräfte aus der Produktion für eine Tätigkeit „im Planungs- und Entwicklungsumfeld“ qualifiziert werden. Insgesamt 2000 Jobs würden neu geschaffen, 1800 gehen durch die Verlagerung verloren.

Aktuelle Absatzzahlen von November brachten erste Anzeichen für eine Erholung des Geschäfts. Dank hoher Nachfrage nach den Luxuslimousinen der E- und S-Klasse steigerte Daimler seinen Absatz um 16 Prozent gegenüber November 2008 auf 98 000 Fahrzeuge der Marken Mercedes-Benz, Smart, AMG und Maybach. Nach langer Talfahrt hat der Konzern damit den Absatz den zweiten Monat in Folge gesteigert. Im vierten Quartal rechnet Daimler mit einem Absatz deutlich über Vorjahresniveau. HB mit dpa

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben