Wirtschaft : Daimler-Tochter Debis profitiert von Fusion

Nach der Bekanntgabe der Hochzeit von Daimler und Chrysler / Schrempp denkt über weitere Expansion nach BERLIN (jhw).Die Berliner Daimler-Benz-Tochter Debis rechnet nach der Daimler-Chrysler-Fusion mit durchweg positiven Folgen.Debis-Chef Klaus Mangold, der auch im Vorstand von Daimler Benz sitzt und zu den Verhandlungspartnern mit dem amerikanischen Autokonzern Chrysler über den Zusammenschluß gehörte, sagte am Freitag in Berlin, die Fusion werde nicht zu einem Arbeitsplatz-Abbau führen.Der neue Konzern werde vielmehr mit neuen Produkten etwas für die "Stabilität von Arbeitsplätzen" tun.Debis ist offenbar die Daimler-Beteiligungsgesellschaft, die besonders von der Fusion profitiert.Sie ist nach dem Bereich Kraftfahrzeuge die größte Ertragsstütze im Konzern - und die am schnellsten wachsende.Schon im vorigen Jahr erwirtschaftete sie den größten Teil ihres Auslandsumsatzes von 55 Prozent in den USA, obwohl Debis bislang hat "Barrieren" hinnehmen müssen.Denn Daimler Benz und seine Beteiligungen gelten bis zum Zusammenschluß nach US-amerikanischem Recht als bankbeherrschte Unternehmen, die ihre Tätigkeit von der US-Notenbank, der Federal Reserve (Fed), überwachen lassen müssen.Der Grund: Mehr als 20 Prozent der Daimler-Benz-Aktien gehören einer einzigen Bank - der Deutschen Bank.Geschäftsbereiche, die die Fed nicht für bankenüblich hält, muß Daimler deshalb teilweise rigoros begrenzen.Aus diesem Grund sind die Software-Dienstleistungen der Debis in den USA deutlich zurückgeblieben - und dies auf dem weltweit bedeutendsten Markt für diesen Service.Das werde sich ändern, kündigte Mangold an.Denn vom neuen Daimler-Chrysler-Konzern werde die Deutsche Bank nur noch zwischen elf und 13 Prozent der Aktien besitzen, sagte er dem Tagesspiegel.Die Fed wird dann deutlich weniger regulieren dürfen.Die Software-Dienstleister, die ihren Umsatz innerhalb der nächsten vier Jahre ohnehin auf rund zehn Mrd.DM mehr als verdreifachen wollten, dürften dann noch mehr zulegen.Knapp zwei Drittel des Umsatzes im vergangenen Geschäftsjahr indes erzielte Debis mit Finanzdienstleistungen - nämlich knapp zehn Mrd.DM.Damit sind die Berliner in 30 Staaten aktiv.Chrysler hingegen bietet seine Finanzdienste nur in fünf amerikanischen Ländern an.Chrysler Finance und Debis ähneln sich insofern, als sie jeweils ein gutes Viertel ihrer Neuwagen finanzieren.Debis macht den allergrößten Teil seines Umsatzes mit dem Leasing-Geschäft, Chrysler Finance mit dem Kredit-Geschäft.Die Partner würden sich mit diesen Dienstleistungen also gut ergänzen.Dagegen werde der dritte große Debis-Bereich - die Telekommunikation - nicht sonderlich von der Fusion profitieren, sagte Mangold.Denn in Deutschland, wo Debis-Tochter Debitel das Mobiltelefonieren anbietet, verkaufen sich ohnehin nicht viele neue Chrysler.Mangold sprach von einer "unglaublichen Aufbruchstimmung" bei den Mitarbeitern.Er habe diese Stimmung gespürt, als er am Donnerstag in der Debis-Zentrale am Potsdamer Platz zu rund 600 Beschäftigten redete.Am Tag nach der Bekanntgabe der Megafusion begann möglicherweise eine Auseinandersetzung um den Chefposten im Aufsichtsrat von Daimler Chrysler.Während es am Donnerstag hieß, Matthias Graf von Krockow, Sprecher der Geschäftsführung des Kölner Bankhauses Sal.Oppenheim, werde diese Position übernehmen, sagte Daimler-Benz-Oberaufseher Hilmar Kopper, er gehe davon aus, auch nach der Fusion dem Aufsichtsrat vorzustehen.Zudem schürt die Fusion weitere Erwartungen in der Branche.Daimler-Vorstandschef Schrempp schließt nach Informationen des "Wall Street Journal Europe" eine Übernahme von Mitsubishi offenbar nicht aus.Auf die Frage nach der Expansionsstrategie von Daimler Chrysler in Asien sagte Schrempp: "Mitsubishi ist ein großartiges Unternehmen, und wir werden ihre Entwicklung genau beobachten." Mitsubishi betonte, die Fusion werde sich nicht auf die Geschäftsbeziehungen zu Daimler und Chrysler auswirken.Die Japaner beliefern Chrysler mit Motoren und bauen für den US-Konzern PKW in eigenen Werken in den USA.Das "Asian Wall Street Journal" berichtete nach Interviews mit Branchenkennern, neben Mitsubishi gelte Nissan als Fusions- oder Übernahmekandidat.

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