Wirtschaft : Daimler trennt sich ganz von Chrysler

Stuttgart - Daimler steht kurz davor, einen der größten strategischen Fehlgriffe in der Unternehmensgeschichte endgültig zu korrigieren. Mit dem bevorstehenden Verkauf der restlichen Anteile an der ehemaligen US-Tochter Chrysler kann nicht nur das Management einen jahrelangen Verlustbringer aus den Büchern streichen. Auch bei den Aktionären der Stuttgarter wird die Freude groß sein, die von Anfang an ungeliebte US-Tochter zehn Jahren nach dem Start der transatlantischen Zusammenarbeit endlich los zu sein. Die Börse reagierte dagegen mit einem Schulterzucken: Der seit Monaten schwächelnde Daimler-Kurs bewegte sich am Donnerstag nur um etwas mehr als ein Prozent auf rund 39 Euro.

Dass sich die Stuttgarter Führungsetage schon lange nach einem Käufer für die restlichen knapp 20 Prozent der Chrysler-Anteile umgeschaut hatte, wurde in den vergangenen Monaten in zahlreichen Gesprächen und Andeutungen der Top-Manager deutlich. Wegen der weltweiten Finanzkrise und der aktuellen Probleme auf dem US-Markt überrascht daher nur der Zeitpunkt für den angekündigten Verkauf der noch verbliebenen Anteile. Wie bei Teil eins der Trennung vor etwas mehr als einem Jahr soll der Käufer der US-amerikanische Finanzinvestor Cerberus sein. Gespräche mit dem „Höllenhund“, wie Cerberus in der griechischen Mythologie heißt, wurden von Daimler bestätigt. Mit einer abschließenden Entscheidung über die Verkaufsmodalitäten wird bald gerechnet. In amerikanischen Medien wurde am Donnerstag spekuliert, dass der Finanzinvestor schon einen Interessenten für den Weiterverkauf von Chrysler hat.

Die 1998 geschlossene „Ehe im Himmel“, wie sie Ex-Vorstandschef Jürgen Schrempp in seiner ersten Euphorie nannte, hatte in den letzten Jahren des Bündnisses immer mehr Risse gekommen. Alle Sanierungsversuche scheiterten, nachdem Chrysler wegen mangelnder Nachfrage nach großen spritfressenden Geländewagen in den USA ähnlich wie General Motors und Ford in die roten Zahlen gerutscht war.

Auch nach dem Verkauf von rund 80 Prozent der Anteile für rund 5,5 Milliarden Euro vor gut einem Jahr schrieb der drittgrößte US-Autobauer weiter Verluste, die Quartal für Quartal anteilig in den Daimler-Bilanzen auftauchten. Die Daimler-Gewinnwarnung im zweiten Quartal führte Vorstandschef Dieter Zetsche ausdrücklich auch auf die Chrysler-Verluste zurück. Mit 373 Millionen Euro schlugen die Belastungen bis zur Jahresmitte zu Buche. dpa

0 Kommentare

Neuester Kommentar