Daimler und Opel : Neue Modelle, neues Tempo

Daimler verdient so viel wie nie – und will noch mehr. Opel halbiert den Verlust – und macht sich Mut.

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C-Klasse am Start. Die ersten Serienmodelle der neuen C-Klasse wurden am Dienstag im Werk in Bremen montiert. 2014 wird das neue Modell auch in Südafrika, China und in den USA produziert. Daimler investiert dafür mehr als eine Milliarde Euro.
C-Klasse am Start. Die ersten Serienmodelle der neuen C-Klasse wurden am Dienstag im Werk in Bremen montiert. 2014 wird das neue...Foto: dpa

Neue Modelle, sparsames Wirtschaften, cleveres Marketing – am Ende zahlt es sich für Autohersteller aus, wenn sie dem Publikum etwas Neues bieten können. Daimler und Opel spielen zwar nicht in der gleichen Liga – schon gar nicht in der Gewinn- und Verlustrechnung. Am Donnerstag legten beide jedoch Geschäftszahlen vor, die einige Gemeinsamkeiten aufweisen.

Daimler-Chef Dieter Zetsche will nach einer langen Zeit schrumpfender Gewinne 2014 die Erfolge seiner Modelloffensive in Euro umrechnen. Die runderneuerte Mercedes-Palette – insbesondere die S-, C- und A-Klasse – soll dabei helfen, Umsatz und operativen Gewinn deutlich zu steigern, wie Zetsche am Donnerstag in Stuttgart sagte. Einiges bleibt zu tun: Bis 2020 will Daimler die Nummer eins unter den Herstellern von Luxuswagen werden – vor BMW und Audi. Noch fahren die beiden den Stuttgartern voraus.

„Unser Plan geht Schritt für Schritt auf“, versicherte Zetsche. Die ersten Erfolge machten „Appetit auf mehr“. 2013 hatte Daimler bei einem Umsatz von 118 Milliarden Euro 10,8 Milliarden Euro vor Steuern verdient. Dank der 3,2 Milliarden Euro Einnahmen aus dem Verkauf des Anteils am Luftfahrtkonzern EADS war das so viel wie noch nie in der Unternehmensgeschichte. Operativ sank das Ergebnis aber das zweite Jahr in Folge auf 7,9 Milliarden Euro. Im zweiten Halbjahr lief es besser – auch dank eines milliardenschweren Sparprogramms.

Das gilt auch für Opel – allerdings steht hier vor dem Ergebnis ein Minuszeichen. Die US-Konzernmutter General Motors (GM), die seit kurzem von Mary Barra als erster Frau geführt wird, kam bei der Sanierung der Europa-Tochter Opel (mit Vauxhall) deutlich voran. Der operative Verlust halbierte sich 2013 auf 844 Millionen Dollar (624 Millionen Euro), wie GM mitteilte. Gemessen am Absatz rangiert der US-Autokonzern weltweit auf Rang drei hinter Toyota und Volkswagen.

2012 hatte GM in Europa noch ein Minus von insgesamt 1,9 Milliarden Dollar eingefahren. Der Opel-Umsatz stieg im Schlussquartal das zweite Mal in Folge vor allem durch Verkäufe der margenstärkeren Modelle Insignia und Mokka. Der Nettogewinn des gesamten GM-Konzerns schrumpfte allerdings wegen des Rückzugs der Marke Chevrolet aus Europa sowie Werksschließungen in Australien um ein Fünftel auf 3,8 Milliarden Dollar.

„Die schwierigen Entscheidungen, die wir während des Jahres treffen mussten, werden unser Geschäft weiter stärken“, sagte GM-Chefin Barra in Detroit. Auch Opel-Chef Karl-Thomas Neumann zeigte sich zufrieden. „Mit diesem Ergebnis, das wir auch dank hoher Kostendisziplin und verbesserter Effizienz unserer internen Abläufe erreichen konnten, haben wir unsere eigenen Planungen übertroffen“, lobte der Opel-Chef seine Mitarbeiter in einem Rundbrief. Das Jahr 2014 werde aber noch anspruchsvoller. „Auf dem Weg zurück zur Profitabilität müssen wir weiterhin Quartal für Quartal liefern.“

In diesem Jahr steht die Schließung des Bochumer Werks an, die zu finanziellen Sonderbelastungen führen dürfte. Aktuell weist GM nur noch 35 000 Mitarbeiter für Opel/Vauxhall aus. Das sind 4000 weniger als zwei Jahre zuvor.

„Nicht zurücklehnen“ kann sich nach Auskunft von Dieter Zetsche auch die Daimler-Belegschaft – von knapp 275 000 Beschäftigten arbeiteten mehr als 167 000 in Deutschland. Mercedes hat noch nicht die Profitabilität erreicht, die der Vorstand vorgibt – und die die Wettbewerber schon vorweisen können. Die Umsatzrendite – also das Verhältnis von operativem Gewinn zum Umsatz – ging 2013 auf 6,2 Prozent zurück. Im vierten Quartal konnten die Stuttgarter auf 7,5 Prozent zulegen. BMW und Audi schafften zuletzt um die neun Prozent.

Um sein Ziel zu erreichen, muss Daimler sparen. Allein in der Pkw-Sparte sollen bis Ende 2014 zwei Milliarden Euro zusammenkommen. Rund 800 Millionen Euro davon wurden bis Ende 2013 schon gespart. Gleichzeitig produziert man an der Kapazitätsgrenze, weil die Nachfrage aus dem Ausland brummt. Auch die Motoren- und Komponenten-Produktion in Berlin „läuft auf Hochtouren“, wie Werkleiter Hansgeorg Niefer mitteilen ließ.

An der Börse kam das gut an: Daimler-Papiere legten um 2,2 Prozent zu – auch, weil die Dividende auf 2,25 Euro pro Aktie leicht steigen soll. Nicht trüben konnte das Bild der Weggang von Andreas Renschler. Er hatte überraschend seinen Hut als Produktionsvorstand genommen und soll angeblich zu VW wechseln. Wohin Renschler gehe, sei für Daimler „völlig irrelevant“, sagte Zetsche am Donnerstag knapp. Der Vorstand sei auch ohne ihn „ein gutes Team“. mit dpa, rtr

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