Daimler verliert Spitzenmanager : VW statt Mercedes?

Andreas Renschler hört überraschend als Daimler-Produktionsvorstand auf. Womöglich geht er zu VW, um die Fusion von MAN und Scania voranzutreiben.

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Hoher Besuch. Daimler-Vorstand Renschler (links) führte im Januar den baden-württembergischen Wirtschaftsminister Nils Schmid durch ein Mercedes-Werk.
Hoher Besuch. Daimler-Vorstand Renschler (links) führte im Januar den baden-württembergischen Wirtschaftsminister Nils Schmid...Foto: dpa

Berlin - Wiederholt sich die Geschichte? Es war ein toller Coup, als der damalige VW-Chef Bernd Pischetsrieder den Mercedes-Manager Wolfgang Bernhard als potenziellen Nachfolger nach Wolfsburg holte. Vor neun Jahren war das, und es ging nicht lange gut: Bernhard flog zwei Jahre später raus. Inzwischen arbeitet er wieder für Daimler – und spielt eine Rolle bei der jüngsten Personalie, mit der sich die PS-Branche beschäftigt.

Bernhards-Vorstandskollege Andreas Renschler lässt seine Aufgaben als Chef von Produktion und Einkauf des Konzernbereichs Mercedes-Benz Cars „ab sofort ruhen“. Auf eigenen Wunsch, „aus vielen Gründen“, wie Renschler dem „Wall Street Journal“ sagte, und um eine „neue Perspektive“ zu suchen. Etwa am Mittellandkanal bei Volkswagen?

Es müsste schon ein besonderer Köder sein, mit dem die VW-Chefs Martin Winterkorn (Vorstand) und Ferdinand Piëch (Aufsichtsrat) den Mercedes-Mann zum Wechsel bewegen könnten. Renschler – Bankkaufmann, Wirtschaftsingenieur und Diplom Kaufmann – begann seine Karriere 1988 bei der Daimler-Benz AG und hat so ziemlich alles im Konzern gemacht. Assistent des Vorstandsvorsitzenden, Entwicklung der M-Klasse, Aufbau des US-Werks in Alabama, Smart-Chef, Leiter der Personalentwicklung, Lkw- Chef. Renschler kann alles und ist offenbar nicht mehr zufrieden auf der Position als Nummer zwei hinter Dieter Zetsche. „Ich bedauere sehr, dass er aus persönlichen Gründen das Unternehmen verlässt“, sagt Zetsche und benutzt damit fast dieselben Worte wie Betriebsratschef Erich Klemm.

Beide Herren haben vor einem knappen Jahr erheblich dazu beigetragen, dass Renschler nun vom Hof geht. Damals sollte der Vertrag von Zetsche verlängert werden, und zwar um fünf Jahre. Die Arbeitnehmerbank im Aufsichtsrat, angeführt von Klemm, war dagegen; sie kann nicht besonders mit Zetsche und schon gar nicht mit Bernhard. Aber Klemm schätzt Renschler. Am Ende eines mühsamen Kompromissprozesses wurde Zetsches Vertrag nur um drei Jahre (bis 2016) verlängert, Bernhard wechselte auf den Renschler-Posten an der Spitze der Trucks und Renschler ging zu Mercedes-Pkw. Nicht ganz freiwillig, denn der Daimler-Vorstandsvorsitzende Zetsche ist auch Mercedes-Pkw-Chef, Renschler nur für Produktion und Einkauf zuständig. Das hat ihn geärgert.

Wenn er nun zurück zu den Lastwagen und einen Chefposten will, dann kommt nur Volkswagen infrage. In den vergangenen Jahren haben Piëch/Winterkorn MAN und Scania gekauft, um zum Weltmarktführer Mercedes bei den schweren Trucks aufschließen zu können. Die Fusion der schwedischen Nobelmarke mit MAN ist aber mühselig und kommt nicht so recht voran. Eine neue Kraft von außen brächte Schwung. Renschler hat beste Referenzen: Die Daimler-Trucks laufen gut und auch im Pkw-Bereich überzeugte er bei der Einführung neuer Modelle (S- und C-Klasse).

Der Köder der VW-Chefs könnte so aussehen: ein paar Jahre die Lkw-Sparte leiten und dann ganz nach oben. Winterkorn wird im Mai 67, sein Vertrag läuft bis 2016. Er sucht schon länger einen Nachfolger. Vielleicht hat er ihn jetzt gefunden.

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