Wirtschaft : Daimler will mit Chrysler an die Spitze

(HB PF.)

Konzerne bestätigen Gespräche / Plan zum Zusammenschluß läßt Aktien explodierenVON (HB/PF.) STUTTGART.Daimler-Benz verhandelt mit dem drittgrößten US-Autohersteller Chrysler über einen Zusammenschluß.Daimler erklärte am Mittwoch, es gebe aber noch keine konkrete Vereinbarung.Sollte der größte Zusammenschluß in der Industriegeschichte zustande kommen, würde ein Konzern mit über 230 Mrd.DM Umsatz entstehen.Am Abend sollte der Daimler-Aufsichtsrat über die Gespräche informiert werden.Die Daimler-Aktie gewann fast 8 Prozent an Wert.Chrysler gewannen in New York sogar 22 Prozent.Daimler erklärte, die Fusion könne durch Aktientausch vollzogen werden.Die Aktionäre beider Gesellschaften wären dann zukünftig an dem neuen Unternehmen beteiligt."Beide Gesellschaften betonen, daß bisher keine konkrete Vereinbarung getroffen wurde", fügte Daimler hinzu.Jede Vereinbarung stehe zudem unter dem Vorbehalt, daß die zuständigen Gremien beider Unternehmen zustimmten.Es gebe aber keine Gewißheit, "daß eine solche Vereinbarung getroffen werden wird oder daß eine Zusammenführung tatsächlich realisiert wird".Bis zum Abschluß der Gespräche wollen die beiden Konzerne keine weiteren Stellungnahmen abgeben.Eine Fusion würde nicht nur die US-Position der Stuttgarter Autoherstellers weiter stärken, sie dürfte auch das globale Autogeschäft nachhaltig beeinflussen.Den beiden Unternehmen ginge es weniger um Kosteneinsparungen, als um die Ausweitung ihrer Märkte, meinte David Garrity, Analyst bei CIBC Oppenheimer.Chrysler, der drittgrößte US-Autohersteller hinter General Motors Corporation und Ford Motor Company, sucht seit zwei Jahren nach Wegen, um auf dem globalen Markt stärker Fuß zu fassen.In Westeuropa hat Chrysler einen Marktanteil von 1 Prozent im Vergleich zu GM und Ford, die jeweils 12 Prozent Marktanteil halten.Daimler wäre für Chrysler dank der weltweiten Marktpräsenz des deutschen Herstellers und seiner Vertriebskanäle ein starker Partner.Garrity glaubt sogar, daß der Zusammenschluß zu einem Beschäftigungszuwachs und größerer Arbeitsplatzsicherheit bei beiden Unternehmen führen werde.Schon 1995 kursierten Gerüchte über einen Zusammenschluß der beiden Unternehmen.Nach Garritys Meinung mache dies heute mehr Sinn.Daimer-Benz habe unter Führung von Jürgen Schrempp sein finanzielles Haus in Ordnung gebracht, und Chrysler konzentriere sich verstärkt auf Absatzmöglichkeiten im Ausland.Doch internationale Deals sind nicht immer erfolgreich wie der Versuch zeigt, Volvo und Renault zusammenzulegen.Der Marktwert von Chrysler betrug vor Bekanntgabe der Fusionspläne 27 Mrd.Dollar, der von Daimler 55 Mrd.Dollar.Daimler-Benz und Chrysler denken daran, unter dem Dach einer gemeinsamen Holding zu fusionieren.Die Aktien von Daimler und Chrysler würden dann in Aktien der neuen Holding umgetauscht.Völlig unklar ist, wie diese Holding heißen soll, wo sie ihren Sitz haben soll und wer von den beiden bisherigen Konzernchefs, Jürgen Schrempp von Daimler oder Robert Eaton von Chrysler neuer Chef wird.Daimler-Benz ist mit einem 1997 erzielten Umsatz von 124 Mrd.DM der größte deutsche Industriekonzern.Im vergangenen Jahr steigerte Daimler seinen Betriebsgewinn auf 4,3 Mrd.DM.Chrysler mit Sitz in Auburn Hills im US-Bundesstaat Michigan erzielte 1997 einen Umsatz von rund 108 Mrd.DM und einem einen Reingewinn von 2,8 Mrd.Dollar (umgerechnet 4,9 Mrd.DM).Chrysler ist stark bei Leicht-Lkw inklusive Pickup-Fahrzeugen, Minivans und Jeep-Geländewagen.Daimler ist traditionell im Luxuswagensegment vertreten, seit neuestem baut der Konzern auch Kompaktwagen der A-Klasse.Weltweiter Marktführer unter den Autoherstellern ist General Motors mit einem Umsatz von 314,5 Mrd.DM.An der Frankfurter Börse schnellte der Kurs der Daimler-Aktie gegen den Markttrend im Parketthandel um 7,4 Prozent auf 192,90 DM.Chrysler legten an der New Yorker Börse sogar um 15 Prozent zu.Deutsche Bank profitierten als Daimler-Großaktionär von der Überlegung, das Kreditinstitut könnte seine 22prozentige Beteiligung im Zuge einer Fusion mit hohem außerordentlichen Ertrag weiterreichen.Das arabische Scheichtum Kuwait, mit 13,6 Prozent zweiter Großaktionär von Daimler-Benz, soll nach Informationen aus Frankfurter Börsenkreisen von den Fusionsplänen völlig überrascht worden sein.Die Gespräche zwischen Daimler und Chrysler sorgten in ganz Europa für Fusionsphantasie bei Autowerten.Besonders die schwedischen Hersteller Volvo und Scania wurden an den Börsen als mögliche Übernahmekandidaten gehandelt.An der Pariser Börse zogen Peugeot um 4,2 Prozent an.Renault kletterten um 5,3 Prozent.Händler sprachen von Spekulationen über eine Fusion mit VW.In Mailand legte die Fiat-Aktie gegen den allgemeinen Börsentrend zu.

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