Wirtschaft : DaimlerChrysler: Die spektakulärste deutsch-amerikanische Partnerschaft wird neu geordnet

Die Daimler-Chrysler AG plant bei ihrer US-Tochter Chrysler offenbar umfangreichere Änderungen an der Firmenspitze, die sich nicht nur auf die Ernennung von Nutzfahrzeug-Chef Dieter Zetsche zum Chrysler-Chef beschränken.

In Firmenkreisen hieß es am Donnerstag, so solle auch ein Deutscher zum Chief Operating Officer (COO) bei Chrysler berufen werden und dort dann für das Tagesgeschäft verantwortlich sein. Kandidat dafür sei Wolfgang Bernhard, der derzeit den konzerneigenen Hersteller von sportlichen Sondermodellen AMG leitet und zuvor für die Entwicklung der neuen Mercedes S-Klasse verantwortlich gewesen sei. Der Aufsichtsrat des Stuttgarter Konzerns solle hierüber am Freitag entscheiden.

In der Sitzung des Kontrollgremiums wird voraussichtlich auch die Ablösung des bisherigen Chrysler-Chefs James Holden durch den bisherigen Nutzfahrzeug-Chef Zetsche entschieden. Chrysler hatte im dritten Quartal einen Verlust von 579 Millionen Euro erwirtschaftet. In Firmenkreisen hieß es, Prognosen Holdens hätten sich im Nachhinein mehrfach als zu optimistisch erwiesen. Zudem habe Holden im Oktober Konzernchef Jürgen Schrempp verärgert, als er überraschend die Stilllegung von sieben Werken für eine Woche bekannt gegeben habe.

Die Informationen aus Firmenkreisen über die erwartete Berufung Bernhards deckten sich mit Zeitungsberichten wie etwa der "Financial Times Deutschland" vom Donnerstag. Ein Konzernsprecher sagte zu der erwarteten Berufung von Bernhard, zu Spekulationen gebe sein Unternehmen keinen Kommentar ab.

Auf dem hart umkämpften nordamerikanischen Pkw-Markt verzeichnete Chrysler einen Absatzrückgang um 14 Prozent auf 623 000 Fahrzeuge. Schrempp hatte bei der Veröffentlichung der Zahlen für das dritte Quartal erklärt: "Der heftige Kampf um Marktanteile in Nordamerika hat sich weiter verschärft und deutliche Spuren im Ergebnis der Chrysler-Group hinterlassen."

Die Aktie von Daimler-Chrysler verhielt sich am Donnerstag an der Börse in Frankfurt (Main) schwach, sie gab bis 16 Uhr um 3,05 Prozent auf 50,84 Euro ab. "Daimler-Chrysler sind von Goldman Sachs heruntergestuft worden", begründete Knut Hochwald, Aktienhändler bei der Hamburger Sparkasse, die Kursverluste des deutsch-amerikanischen Unternehmens.

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