Wirtschaft : DaimlerChrysler gewinnt Kerkorian-Prozess

Punktsieg für DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp: Der Stuttgarter Autokonzern hat den Prozess um angeblichen Betrug bei dem Zusammenschluss der Unternehmen Daimler und Chrysler in allen Punkten gewonnen. Der US-Investor Kirk Kerkorian hatte DaimlerChrysler auf mindestens 1,2 Milliarden Dollar verklagt.

Wilmington/Stuttgart (08.04.2005, 15:21 Uhr) - Kerkorian und seine Investmentgesellschaft Tracinda hätten nicht nachweisen können, dass sie bei dem Zusammenschluss von Daimler-Benz und Chrysler 1998 betrogen worden seien, urteilte Richter Joseph Farnan am Donnerstag in Wilmington (US-Bundesstaat Delaware). Deshalb entschied das Gericht «in allen Punkten» zu Gunsten von DaimlerChrysler.

Nach den vielen schlechten Nachrichten der vergangenen Zeit zeigte sich Schrempp zufrieden mit dem Urteil. «Wir freuen uns, dass das Gericht mit seiner Entscheidung ein für alle Mal bestätigt, dass Tracindas klage keinerlei Grundlage hatte und alle gegen DaimlerChrysler im Zusammenhang mit dem Zusammenschluss im Jahre 1998 erhobenen Vorwürfe vollkommen unbegründet waren», hieß es in einer Stellungnahme. «Wir werden uns weiterhin darauf konzentrieren, den Zusammenschluss zum Erfolg zu führen», betonte der Automanager. Chrysler hatte nach verlustreichen Jahren 2004 mit einem Milliarden- Gewinn die Wende geschafft.

Branchenbeobachter waren davon ausgegangen, dass eine Niederlage gegen den schillernden und kauzigen Milliardär Kerkorian Schrempps Reputation als Manager schwer geschadet hätte. Der Autokonzern war sich aber seiner Sache immer sicher gewesen. Rückstellung für den Fall einer Niederlage wurden nicht gebildet. Kerkorian (87) erklärte nach der Prozess-Niederlage, dass er weiter alle Optionen prüfen werde. Man sei natürlich von dem Urteil enttäuscht, teilte Kerkorians Investmentgesellschaft Tracinda mit. Kerkorian erneuerte seine Behauptung, mit Chrysler sei eine amerikanische Ikone von den Deutschen übernommen worden.

Farnan hatte Kerkorians Milliardenklage in allen Punkten abgewiesen. Der US-Investor hatte den Stuttgarter Konzern auf mindestens 1,2 Milliarden Dollar verklagt. Er beschuldigte die Daimler-Benz-Seite, den Zusammenschluss mit Chrysler von Anfang an als Übernahme geplant, aber als Fusion unter Gleichen kaschiert zu haben. Bei einer Übernahme hätte ihm aber als damals größtem Chrysler-Aktionär ein höherer Aufschlag auf den Aktienpreis zugestanden. Der Richter befand in seinem 123 Seiten langen Urteil, der Begriff «Fusion unter Gleichen» sei nicht irreführend benutzt worden. Alle angeblichen Beweise, die Kerkorian dafür vorlegte, wies er zurück.

So sei in der Fusionsvereinbarung zwar festgelegt gewesen, wie viele Vertreter beider Seiten zunächst in Vorstand und Management sitzen sollten. Wie lange das so bleiben solle, sei aber nicht festgelegt gewesen. Folglich sei die Tatsache, dass später mehr ehemalige Daimler-Benz-Mitarbeiter als Chrysler-Mitarbeiter in führenden Positionen saßen, kein Beweis dafür, dass der Zusammenschluss in Wirklichkeit eine Übernahme war. «Weder in der Fusionsvereinbarung noch in irgendeinem anderen Dokument werden die Nationalitäten oder die Herkunft der Mitglieder des obersten Managements vorgeschrieben», hielt der Richter fest. DaimlerChrysler betonte am Freitag noch einmal, dass ein Kerkorian-Mann im Aufsichtsrat von Chrysler gesessen habe, der die Fusion unterstützt habe.

In dem Prozess vor dem Bezirksgericht in Wilmington waren Dutzende Zeugen aufgetreten. Schrempp musste zwei Mal ins Kreuzverhör: Im Dezember 2003 und erneut im Februar vergangenen Jahres, nachdem DaimlerChrysler eingeräumt hatte, der Klägerseite 60 Seiten Dokumente vorenthalten zu haben. Kerkorian war auch im Zeugenstand. Er galt früher selber als Interessent für eine Übernahme von Chrysler. Ende 2004 verkaufte er die berühmten MGM-Studios in Hollywood an Sony. In Las Vegas besitzt er die größte Casino-Gruppe.

DaimlerChrysler hatte sich 2003 mit Sammelklägern in den USA auf die pauschale Zahlung von 300 Millionen Dollar (damals etwa 275 Mio Euro) geeinigt. Sie hatten ähnliche Vorwürfe wie Kerkorian geäußert. (tso)

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