Wirtschaft : DaimlerChrysler schmiedet an der Unternehmenskultur

FRANK M.DROST ANDREA JOCHAM (HB)

STUTTGART .Für Heiner Tropitzsch, den Personalvorstand der DaimlerChrysler AG, ist die Sache klar: "Wir werden eine neue Kultur schaffen".Dabei seien jedoch Rücksichten auf große Empfindlichkeiten beiderseits des Atlantiks zu nehmen, räumt Tropitzsch im Gespräch mit dem in Düsseldorf erscheinenden Handelsblatt ein."Während hierzulande eine schleichende Amerikanisierung befürchtet wird, wird in den USA die Gefahr einer Germanisierung heraufbeschworen", beschreibt er seine Erfahrungen.

Da müsse gegengesteuert werden, urteilt Tropitzsch.Auch für die kulturelle Integration gelte, daß es sich um ein "Merger of Equals", um einen Zusammenschluß von ebenbürtigen Partnern, handele."Seismographisch" würden die Mitarbeiter registrieren, wenn eine Entscheidung in die eine oder andere Richtung falle.Die Frage der kulturellen Integration sei "äußerst wichtig" für das Gelingen der Fusion.Aus Analysen durchgeführter Fusionen wisse man, daß bei Mißerfolgen das Thema Kultur "nicht, zuwenig oder zu schleppend" berücksichtigt wurde.Es gebe jedoch auch Beispiele im Automobilbau, wo Kulturen schlicht nicht verträglich waren.Diese Gefahr sieht Tropitzsch für DaimlerChrysler aber nicht.

Es werde nicht gleich morgen "eine neue gemeinsame Kultur definiert, ausgerufen und gelebt", versucht er Ängste vor einer Gleichmacherei auszuräumen.Die neue Kultur soll "wie bei einer Zwiebel" die äußere gemeinsame Schale bilden.Regionale Eigenheiten sollen wie schon in der Vergangenenheit gewahrt bleiben.Noch heute gingen die Schwaben "beim Daimler schaffen" und die Badener "beim Benz", obwohl dieser "Merger" schon 72 Jahre zurückliege.Alle Mitarbeiter würden ihr "Kultur-Package" mitbringen.Dieses gelte es nun zu ergänzen.

Derzeit werden bei DaimlerChrysler 100 Integrationsprojekte von zwölf paritätisch besetzten Teams bearbeitet.Von diesen "Post-Merger-Projekten" kümmere sich eins ausschließlich um kulturelle Querschnittsfragen."Wir stellen dabei fest, ob mögliche Kontroversen auch einen kulturellen Hintergrund haben", erläutert Tropitzsch.Es reiche auch nicht aus, wenn allein das Topmanagement auf ein Ziel eingeschworen ist.Nach innen müsse so große Transparenz wie möglich hergestellt werden.Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, "die sagen uns nicht alles".

Die Einführung eines Weltbetriebsrates hält Tropitzsch gleichwohl nicht für ein geeignetes Instrument, die kulturelle Integration zu fördern.Der Vorstand favorisiert andere Lösungen.Es wird daran gedacht, Vorgespräche der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat mit dem Vorstand zu institutionalisieren.Diesem Gremium sollen von deutscher Seite die Vertreter der Arbeitnehmer im Aufsichtsrat angehören.Noch unklar ist, wer von amerikanischer Seite daran teilnehmen wird.

Ein wichtiges Stück Kultur in der neuen Welt AG wird die Vergütungsstruktur für das Topmanagement sein.Doch bei dieser sehr umstrittenen Frage will Tropitzsch die Katze noch nicht aus dem Sack lassen.Hilmar Kopper, der alte Daimler-Benz-Aufsichtsratschef und neue DaimlerChrysler-Oberaufseher, hatte sich auf der Daimler-Benz-Fusionshauptversammlung im September gegen eine "flächendeckende Amerikanisierung" ausgesprochen.Die Eckpunkte für das neue System, die Kopper im September nannte, sind laut Tropitzsch weiterhin gültig.Die Vergütung soll aus den Elementen Grundgehalt, Bonus, Phantomaktien und langfristig angelegten Aktien-Optionen bestehen."Dabei wird es bleiben", so Tropitzsch.

Kritiker des bisherigen Daimler-Optionsplans haben insbesondere die fehlende Anbindung an einen Index beanstandet.Der oberste DaimlerChrysler-Personalmanager weist allerdings darauf hin, daß international eine Orientierung an Indizes nicht üblich sei.Zum derzeitigen Zeitpunkt sei jedoch noch nicht über eine Anbindung entschieden.Klar sei, daß die Vergütung wettbewerbsfähig sein müsse.Die Entscheidung wird die erste Hauptversammlung der DaimlerChrysler AG im Frühjahr 1999 fällen.

Auch Mitarbeiter auf der Tarifebene sollen in Deutschland künftig stärker leistungs- und erfolgsorientiert entlohnt werden.Verhandlungen mit dem Betriebsrat laufen.Ein gemeinsames Entlohnungsmodell werde es jedoch nicht geben: "Wir werden weiter in beiden Welten leben", sagte Tropitzsch.

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