Wirtschaft : DaimlerChrysler und Nissan beenden Verhandlungen

STUTTGART/TOKIO (fmd/ga/HB).Nach mehrmonatigen Gesprächen hat sich die DaimlerChrysler AG, Stuttgart, gegen einen Einstieg sowohl bei der Nissan Motor Co., Tokio, als auch bei der Beteiligungsgesellschaft Nissan Diesel Co.ausgesprochen.Nissan Motor ist Japans zweitgrößter Pkw-Hersteller, Nissan Motor der viertgrößte Lkw-Hersteller des Landes.Die Börse reagierte auf die Nachricht mit einem Abschlag.Bei schwachem Markt notierte das DaimlerChrysler-Papier bei 81,20 (82,40) Euro.Nissan-Titel kamen in London kräftig unter Druck.

"Die Integration von Daimler und Chrysler hat für uns höchste Priorität.Vor diesem Hintergrund müssen wir akzeptieren, daß die Möglichkeiten, die eine enge Verbindung mit Nissan bietet, nicht so einfach und schnell zu erreichen sind, wie wir ursprünglich erwartet hatten", sagte der Vorstandsvorsitzende Jürgen Schrempp nach einem "freundschaftlichen" Gespräch mit Nissan-Motor-Präsident Yoshikazu Hanawa.Daher habe man sich letztlich gegen eine Beteiligung entschieden.Bereits vereinbarte Projekte bei leichten Nutzfahrzeugen sollen fortgeführt werden.

Ein Sprecher von Nissan Motor sagte, daß auch nach dem Abbruch der Verhandlungen mit DaimlerChrysler über eine Kapitalbeteiligung Kooperationsvorhaben geprüft werden, die keine Kapitaltransaktionen notwendig machten.Nissan werde gleichzeitig versuchen, mit anderen Unternehmen wie etwa Renault eine geschäftliche Verbindung einzugehen.Eine Übereinkunft ist nach Angaben von Renault-Chef Louis Schweitzer jedoch noch nicht in Reichweite.

Analysten beurteilen den geplatzten Deal mit gemischten Gefühlen."Jetzt ist erst einmal die Möglichkeit verstrichen, in Asien massiv voranzukommen", erklärte Erik Burgold von Sal.Oppenheim.Durch ein Engagement hätte sich der Konzern auf Anhieb einen Wettbewerbsvorteil vor seinen Konkurrenten gesichert.Andererseits seien die Risiken nicht gering gewesen, heißt es mit Blick auf die enorm hohe Verschuldung von Nissan Motor, die auf rund 60 Mrd.DM geschätzt wird, und der noch zu leistenden Integrationsarbeit beim neuen DaimlerChrysler-Konzern.Das Beispiel BMW-Rover zeige, daß der Preis für eine Übernahme exorbitant wachsen kann.Unter dem Strich wertet Burgold den Abbruch daher nicht negativ.Da die anderen Hauptwettbewerber im Nutzfahrzeugbereich wie Volvo und Scania auch nur unzureichend in Asien vertreten seien, falle DaimlerChrysler nicht zurück.Rolla Kautz-Pan von der BHF-Bank sieht den Abbruch der Gespräche als vertane Chance.Das Asiengeschäft aus eigener Kraft aufzubauen, werde lange dauern und teurer kommen als eine Übernahme.

Erklärtes Ziel von DaimlerChrysler ist es, den Asienanteil am Konzernumsatz mittelfristig von 8 auf 25 Prozent zu steigern.Während im Pkw-Geschäft durchaus Chancen gesehen werden, tut man sich im Nutzfahrzeuggeschäft damit schwer.Auch mit den vereinbarten Projekten wird man diesem Ziel nicht wesentlich näherkommen."Jetzt überlegen wir alle Optionen, die uns in Asien weiterbringen", sagte ein Sprecher.DaimlerChrysler strebe ein profitables Wachstum in der Region an.

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