Wirtschaft : Daimlers Aufsichtsratschef in Bedrängnis

Hilmar Kopper soll Insider-Informationen zu Schrempp-Rücktritt an die Deutsche Bank verraten haben / Staatsanwalt ermittelt

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Berlin/Frankfurt am Main - Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts des Insiderhandels bringen Hilmar Kopper, den Aufsichtsratschef von Daimler-Chrysler, in Bedrängnis. Hintergrund ist die Rücktrittsankündigung von Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp am 28. Juli 2005. Kopper soll den Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, vor der offiziellen Bekanntgabe über den Führungswechsel informiert zu haben. Die Weitergabe solcher Informationen ist nach dem Wertpapierhandelsgesetz verboten. Aktionärsvertreter forderten am Donnerstag den Rücktritt Koppers.

Die Stuttgarter Staatsanwältin Tomke Beddies bestätigte Ermittlungen gegen Kopper, nannte aber keine Details. Das Verfahren sei an die Staatsanwaltschaft Frankfurt abgegeben worden. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ist mit dem Fall noch nicht befasst. Hilmar Kopper erklärte, er habe sich keinen Gesetzesverstoß vorzuwerfen. Gegen die Deutsche Bank wird nicht ermittelt. Gegenstand des Verfahrens sind auch keine gewinnbringenden Geschäfte mit Daimler-Aktien auf der Grundlage von Insiderinformationen.

Die Deutsche Bank hatte ein großes Paket von Daimler-Aktien erst Stunden nach der offiziellen Mitteilung über den Schrempp-Rücktritt verkauft (siehe Kasten). Sie setzte damit einen weiteren Teil ihrer Strategie um, mittelfristig die Daimler-Beteiligung komplett abzustoßen.Das Geschäft kam also legal zustande. Ob es darüber hinaus auch Optionsgeschäfte von Bank-Chef Ackermann gab, blieb am Donnerstag unklar. Kopper, der von 1989 bis 1997 Vorstandssprecher und bis 2002 Aufsichtsratschef der Deutschen Bank war, rückt die Bank gleichwohl ins Zwielicht. „Das färbt auf die Bank ab“, sagte Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), dem Tagesspiegel. Hocker vermutet gar, dass gezielte Indiskretionen die Ermittlungen gegen Kopper ausgelöst haben. Ziel sei es, den Daimler-Chrysler-Aufsichtsratschef zu demontieren. „So etwas passiert nicht, ohne dass jemand damit Politik macht“, sagte Hocker. „Ich vermute, dass hinter den Ermittlungen eine Indiskretion steht, um Kopper bewusst zu schädigen.“ Klaus Schneider, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft der Kleinanleger (SdK), bekräftigte die Rücktrittsforderung der Aktionärsvertreter. „Wir fordern schon länger, dass sich Herr Kopper zurückziehen sollte“, sagte Schneider dieser Zeitung. Erhärte sich der Insiderverdacht, sei dies „harter Tobak“. Kopper sei dann nicht mehr haltbar.

Die Finanzaufsicht BaFin hatte schon im vergangenen Sommer ein Ermittlungsverfahren gegen hochrangige Daimler-Manager eingeleitet, die sich am Tag von Schrempps Rücktrittsankündigung mit hohen Gewinnen von Daimler-Aktien getrennt hatten. Auch auf die Deutsche Bank hatte die Bafin zunächst ein Auge geworfen, weil es nach Ansicht von Bafin-Präsident Jochen Sanio eine „auffällige“ Entwicklung gegeben habe. Ein Verfahren wurde aber nicht eingeleitet. Auch die Ermittlungen gegen die Daimler-Manager sind mittlerweile wieder eingestellt.

Dass die Deutsche Bank schon sechs Stunden nach der Daimler-Chrysler-Mitteilung Käufer für ihre 35 Millionen Daimler-Aktien fand, ist nach Aussage von Experten kein Hinweis auf zuvor erhaltene Insiderinformationen. „Solche so genannten Blocktrades können innerhalb von zwei Stunden abgewickelt werden. Das ist ein übliches Geschäft“, sagte ein Branchenkenner am Donnerstag. Die Deutsche Bank gehöre weltweit zu den größten Akteuren auf diesem Feld. Käufer solcher Aktienpakete sind institutionelle Investoren wie Fonds, Versicherungen oder andere Großanleger.

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