Wirtschaft : Daimlers Finanztochter setzt auf Russland

Dort soll das Geschäft schnell wachsen, während die neue US-Struktur das Ergebnis belastet

Henrik Mortsiefer

Berlin - Die Finanztochter des Daimler- Konzerns, Daimler Financial Services (DFS), will nach der Trennung von Chrysler schneller wachsen als das Fahrzeuggeschäft des Autokonzerns und dabei das alte Rentabilitätsniveau erreichen. Nach der Abspaltung der US- Sparte ist der Finanzdienstleister (früher Debis) allerdings vorerst mit sich selbst beschäftigt, wie DFS-Vorstand Jürgen Walker am Donnerstag am Firmensitz in Berlin einräumen musste. DFS, der viertgrößte herstellergebundene Finanzdienstleister der Welt, ist in mehr als 40 Ländern aktiv und beschäftigt 6700 Mitarbeiter.

Nach einem möglichen Verkauf der Daimler-Immobilien am Potsdamer Platz denkt der Finanzdienstleister nicht an einen Umzug. „Wir sind und bleiben Mieter am Potsdamer Platz“, sagte Walker. Solange die Miete stimme, sei ihm egal, an wen man sie zahle. Daimler prüft, ob das als „nicht betriebsnotwendig“ eingestufte Areal in Berlin verkauft wird. Der Wert der Immobilien wird auf 1,5 Milliarden Euro geschätzt.

Ohne Chrysler hat Daimler Financial Services vor allem auf dem nordamerikanischen Markt zu kämpfen. So belasten erhebliche Investitionen in den dortigen Aufbau einer eigenständigen Organisation das Ergebnis. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) ging von Januar bis September um 21 Prozent auf 521 Millionen Euro zurück. Das Neugeschäft sank in den ersten drei Quartalen um ein Prozent auf 20,6 Milliarden Euro. Von Juli bis September war das Ebit von 221 auf 87 Millionen Euro abgesackt. Etwa zwei Drittel des Rückgangs seien eine Folge der Trennung von Chrysler, sagte Walker. Der Prozess werde wohl erst im Frühjahr 2008 abgeschlossen sein. Insgesamt hat DFS einen aktuellen Vertragsbestand von 2,2 Millionen Fahrzeugen im Wert von 57,6 Milliarden Euro. Zusammen mit Chrysler war es etwa doppelt so viel. Daimler hatte die Märkte mit den Neun-Monatszahlen seiner Finanztochter bereits vergangene Woche enttäuscht. Walker bekräftigte am Donnerstag die Prognose, dass die Finanztochter in diesem Jahr dennoch eine Eigenkapitalrendite von 14 Prozent erreichen werde. Dieser Wert sei im bisherigen Jahresverlauf erreicht worden, „und das wird auch im Gesamtjahr so sein“. Vor der Trennung von der Finanzierungs- und Leasing-Organisation von Chrysler hatte die Rendite Walker zufolge bei „über 17 Prozent“ gelegen. Von einer schnellen Rückkehr zu dieser Marke wollte Walker nicht sprechen.

Von der US-Immobilienkrise ist DFS nach eigener Auskunft nicht betroffen. „Wir finanzieren keine Hypotheken“, sagte Walker. Allerdings spüre auch der Autofinanzierer die mittelbaren Folgen der Krise, weil sich die Konjunktur insgesamt abschwäche und die Kreditrisiken in Teilen der USA gestiegen seien. Die Auswirkungen seien aber „moderat“. Hoffnungen setzt DFS auf den schnell wachsenden russischen Markt. Dort soll am 7. November die „Mercedes-Benz Bank Rus“ eröffnet werden, die Autokredite für Privat- und Firmenkunden vergeben wird. In diesem Jahr soll das Volumen noch 80 Millionen Euro betragen. In drei Jahren könnten es Walker zufolge 400 Millionen Euro sein. Henrik Mortsiefer

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