Wirtschaft : Damit die Wirtschaft besser läuft...

Noch dreieinhalb Wochen trennen Deutschland von Euroland.Wie bereiten die Banken sich und ihre Kunden auf das neue Buchgeld vor? Mit Kurt H.Flesch, Leiter des Wertpapiervertriebs bei der Deutschen Bank, Berlin, sprach Kathrin Spoerr.

TAGESSPIEGEL: Tut Ihnen der Abschied von der D-Mark ein bißchen leid?

FLESCH: Nein, es ist gut, daß der Euro kommt.Europa, vor allem auch Deutschland, wird davon profitieren.Ginge es nach mir, gäbe es die vielen Stufen nicht, sondern der Euro käme mit einem "big bang" zum 1.Januar 2000.Das Datum hätte zudem schöne symbolische Bedeutung.

TAGESSPIEGEL: Ist die Deutsche Bank fit für den Euro?

FLESCH: Natürlich.Schon seit Anfang 1997 bereiten wir uns und unsere Kunden auf die neue Ära vor.Im Moment arbeiten wir rund um die Uhr an der Umstellung unserer EDV-Systeme auf die Notierung in Euro.

TAGESSPIEGEL: Ist denn das nötig? Noch wird doch der größte Teil des Geldverkehrs in D-Mark abgewickelt werden.

FLESCH: Das ist richtig.Aber unsere Kunden haben vom 1.1.an die Möglichkeit, alle Anlagen, Depots und Konten auf den Euro umstellen zu lassen.

TAGESSPIEGEL: Rechnen Sie damit, daß viele davon Gebrauch machen?

FLESCH: Eigentlich nicht.Wir empfehlen das auch nicht, weil ja auch im Alltag noch bis 2002 die Mark die vertraute Zahlungseinheit bleibt.Sinnvoll ist die Umstellung vom 1.Januar an vor allem für Kunden, die viele Geschäftskontakte ins europäische Ausland haben.Doch künftig werden wir die Salden aller Depots, Sparanlagen und Konten sowohl in D-Mark als auch in Euro ausweisen.Das gewährleistet einen sanfteren Übergang in die Euro-Zeit, weil die Menschen sich an die neuen Zahlen gewöhnen können.

TAGESSPIEGEL: Sich an die neuen Zahlen zu gewöhnen, wird ja vor allem für Aktienkunden hart.Wenn ein 100 000-DM-Depot plötzlich zu einem 50 000-Euro-Depot zusammenschmilzt - wie wird das verkraftet?

FLESCH: Für Inhaber eines Depots ist die neue Bewertung optisch gewöhnungsbedürftig.Für Einsteiger läuft der Effekt aber umgedreht.Es fällt leichter, DaimlerChrysler für 70 Euros zu kaufen als für 140 DM.In der Regel sind aber Aktienbesitzer in Finanzangelegenheit eher die aufgeklärteren Menschen, die wissen, daß sich am Wert der Papiere nichts ändert.Sicher ist das auch einer der Gründe, warum an den Börsen zuerst in Euro gerechnet werden wird.Das schafft mehr Transparenz auf den europäischen Märkten und ist vielleicht ein Schritt in Richtung Eurpäischer Börse.

TAGESSPIEGEL: Wie ernst nimmt man bei den Banken die Psychologie der weniger aufgeklärten Kunden?

FLESCH: Sehr ernst.Wir bereiten unsere Kunden seit Jahren vor.In den letzten Wochen verstärken wir unsere Kampagne.Unsere Broschüren erklären Anlegern alles, was sich ändern wird.Wir haben seit dem 1.Dezember unter der Nummer 0800-123 1999 eine unentgeltlichen Hotline geschaltet.Aber wir prüfen auch die Zusammensetzung von Depots unter dem Gesichtspunkt der Währungsumstellung.

TAGESSPIEGEL: Wie sieht denn ein Euro-taugliches Depot aus?

FLESCH: Es enthält Anlagen, die aller Voraussicht nach von der gemeinsamen Währung am meisten profitieren werden.

TAGESSPIEGEL: Welche sind das?

FLESCH: Vor allen Dingen europäische Aktienfonds und Nahrungsmittelkonzerne.

TAGESSPIEGEL: Bei einigen Anlageformen wird es freigestellt sein, ob sie in Euro oder in D-Mark notiert werden.

FLESCH: Wir lassen den Kunden die Wahl.Die Preise werden wir ab Januar in D-Mark und Euro auszeichnen.Insgesamt wird mit dem Euro die Wirtschaft besser laufen.

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