Wirtschaft : Darf’s ein bisschen teurer sein?

Das Geschäft mit Luxusuhren und Schmuck läuft trotz Finanzkrise prächtig. Doch 2009 könnte schlimm werden, meinen Analysten

Maren Peters
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BerlinHoch oben in den Schweizer Bergen ist die Welt noch in Ordnung. Von Finanzkrise keine Spur – und das liegt nicht nur daran, dass eine zentimeterdicke Neuschneedecke die Folgen des Debakels behutsam zudeckt. Im Nobelski ort St. Moritz, wo neben königlichen Hoheiten auch russische Millionäre gern den Hang hinabrauschen, sind die Hotels für Weihnachten und die Wintersaison teilweise besser ausgebucht als im Vorjahr. Vor allem Fünf-Sterne -Hotels sind mit der Saison bislang mehr als zufrieden.

Der Luxusbranche hat die weltweite Krise bisher kaum etwas anhaben können. Während viele Normalverbraucher überlegen, ob sie den Kauf des neuen Autos oder Fernsehers nicht lieber auf unbestimmte Zeit verschieben, sehen viele Reiche offenbar noch keinen Grund, sich Sorgen zu machen. Teures Geschmeide und Luxus-Uhren – die schon immer auch Gradmesser für den Zustand der Branche waren – verkaufen sich im wichtigen Weihnachtsgeschäft prächtig, besser sogar als im Vorjahr. Das Geschäft zum Jahresende macht rund ein Drittel des Jahresumsatzes aus.

„Wir liegen im Dezember knapp zehn Prozent über dem Vorjahresumsatz, und der war schon sehr gut“, schwärmt Juwelier Georg Leicht, der auch im Hotel „Adlon“ eine gleichnamige Filiale betreibt. Allerdings spürt er einen Stimmungswechsel, wenn auch mit äußerst angenehmen Folgen. „Die Kunden“, sagt Leicht, „wollen in diesem Jahr vor allem größere, teurere Stücke.“ Viele fragten neuerdings ganz gezielt nach dem „wahren Wert“ eines Schmuckstücks, berichtet der Pforzheimer Juwelier. Das könnte auch daran liegen, dass viele Wohlhabende ihr Geld lieber in teuren Uhren und Schmuck anlegen als in Aktien.

Die starke Nachfrage nach Luxusgütern führt dazu, dass Uhrenhersteller wie Nomos aus Glashütte mit der Produktion nicht mehr nachkommen. Auf den Klassiker Tangomat, der knapp 2000 Euro kostet, müssen Kunden derzeit mehrere Wochen warten. „Überraschenderweise läuft es sehr gut“, staunt Nomos-Glashütte-Inhaber Uwe Ahrendt.

Nicht nur bei ihm. „Wir gehen gestärkt ins neue Jahr“, sagt Joachim Dünkelmann, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Juweliere, Schmuck- und Uhrenfachgeschäfte. Vor allem höherwertige mechanische Uhren verkauften sich sehr gut. „Die Kunden kaufen sehr zielgerichtet und sehr hochwertig.“

Die Branche, die Vielverdiener wie Schauspielerin Jennifer Lopez, Partygirl Paris Hilton oder Hip-Hopper 50 Cent zu ihren Stammkunden zählt, hatte sich bisher von Konjunkturschwankungen kaum beeindrucken lassen. Angesichts einer stetig wachsenden Schicht von Reichen und Superreichen waren die Wachstumsraten in den vergangenen Jahren hoch.

„2007 war ein absolutes Rekordjahr für die Luxusgüterhersteller“, sagt Claudia Lenz, Luxusgüter-Analystin bei der Schweizer Bank Vontobel. Und auch 2008 werde für die Konzerne trotz Finanzkrise das zweitbeste Jahr überhaupt werden. Erste Anzeichen von Schwäche kann Analystin Lenz auf der edlen Zürcher Bahnhofstraße allerdings schon jetzt ausmachen. „Bei einigen Händlern zeigt sich bereits ein leichter Rückgang.“ Auch die Nationalität der Touristen, die bis zu 70 Prozent zum Umsatz auf der teuren Einkaufsmeile beitragen, habe sich verändert. „Es gibt deutlich weniger Russen“, sagt Lenz. Aber die Schweizer kauften noch. Die Analystin erwartet im neuen Jahr einen Rückgang des Wachstums um bis zu drei Prozent.

Auch die Unternehmensberatung Bain & Company sieht im letzten Quartal 2008 eine Abschwächung des weltweiten Luxuswachstums vor allem in den USA und Japan – und befürchtet Ärgeres. „2009 wird wahrscheinlich das schlimmste Jahr für Luxusgüter in der jüngeren Geschichte“, prophezeit Bain-Analystin Claudia D’Arpizio in einer Studie. Den Gesamtumsatz mit teuren Handtaschen, Diamantringen und Golduhren sieht sie im laufenden Jahr noch bei 175 Milliarden Euro.

Probleme dürften vor allem die global agierenden Konzerne bekommen. Richemont, zweitgrößter Luxuswarenkonzern der Welt nach LVMH, spürt die Folgen der Finanzkrise bereits seit Oktober. Der Umsatz des Herstellers von Cartier- Schmuck, Jaeger-LeCoultre-Uhren und Montblanc-Füllern wächst kaum noch. Grund sei die schwächere Nachfrage vor allem in den USA, teilte der Konzern mit. Ähnliches berichten auch der italienische Konkurrent Bulgari und der französische Luxuskonzern Hermès. Richemont will nun gegensteuern und sich künftig stärker auf „higher end consumers“, also Superreiche, und Schwellenländer konzentrieren, gerne auch in Kombination.

Zu Recht, meint Bain-Expertin D’Arpizio, denn nur in Schwellenländern werde sich das Wachstum fortsetzen. Weltweit gab es 2007 mehr als eine Million Millionärshaushalte zusätzlich, berichtet der Global Wealth Report. In Aufsteiger-Nationen wie China und Indien steigt die Zahl der Reichen noch immer überdurchschnittlich stark – und damit auch die Nachfrage nach teuren Handtaschen und schweren Uhren.

Den übrigen Regionen könnte zumindest der schwächere Euro etwas Entspannung bringen, erwartet Luxus-Analystin D’Arpizio. Wenn Dollar und Yen wieder an Kaufkraft gewännen, könnte auch den luxusversessenen japanischen Touristen das Shoppen in den europäischen Metropolen wieder mehr Spaß machen.

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