Wirtschaft : Das athletische Vorbild hat ausgedient

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In der Sportartikelbranche wird Lifestyle immer mehr zum dominierenden Moment. Wo früher schwitzende Leiber, Athletik und allerlei Sportgerät die Szene dominiert hatten, steht mittlerweile modische Bekleidung im Mittelpunkt. Deutlich wird das wieder auf der Ispo, der Münchner Sportartikelfachmesse, die am heutigen Sonnabend in beginnt.

"Hier wird echte Lifestylepflege betrieben", urteilt Jürgen Wolf über die internationale Leitmesse der Branche. Er ist Vorstandschef der hessischen Cyber Pirates AG, die mit der Sportbekleidungsmarke Homeboy vor allem jugendliche Kundschaft bedient. Wolf sieht sich als Erfinder eines weiten, sackartigen Hosenschnitts, der sich unter seiner Klientel flächendeckend durchgesetzt hat. Die zündende Idee sei ihm gekommen, weil Inlineskater viel Bewegungsfreiheit brauchen. "Wir haben die Dinger dann halt zwei Nummern größer getragen", sagt er über seine "Baggy-Hosen". Der Durchbruch gelang vor einigen Jahren, als die Popgruppe "Die Fantastischen Vier" damit auf der Bühne aufgetreten ist. "Baggy" gehöre seitdem zur Szene und zum Straßenbild. Im Fachjargon heißt derartige Bekleidung, die nicht nur zum Sport sondern auch in der Freizeit getragen wird "Streetwear". In Deutschland würden mit derartigen "Klamotten" jährlich rund 2,2 Milliarden Euro umgesetzt, schätzt Wolf. "Nicht schlecht für eine Nische," sagt er. Immerhin sei Streetwear die Klammer einer ganzen Jugend und schlage die Brücke zur Musik.

Wenn seine Umsatzschätzung stimmt, ist trendige Sportbekleidung mittlerweile weit mehr als eine Nische. Denn 2001 hat der heimische Sportfachhandel nach eigenen Angaben 7,9 Milliarden Euro umgesetzt und damit 1,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Die größten Zuwachsraten verzeichnete in der Statistik des Verbands Deutscher Sportfachhandel (VDS) die Kategorie Bekleidung. Je nach Ausprägung standen dafür durchweg prozentual zweistellige Zuwachsraten von bis zu 18 Prozent zu Buche. Angesichts dieser Trends sucht mittlerweile praktisch jedes Sportsegement intensiven Kontakt zur Mode. Das gilt vor allem auch für als bieder verschrieene Wanderer und Bergsteiger, die in der Branche unter dem Schlagwort Outdoor firmieren.

"Outdoor ist Trendsportart, und wird in den nächsten Jahren vermehrt den Citylook beeinflussen," hofft der geschäftsführende Gesellschafter der italienischen Outdoorfirma Salewa International, Heiner Oberrauch. "In" sei künftig der "coole Typ" mit Funktionsjacke, Rucksack und Lawinenschaufel, behauptet er. Der Bergsport komme auf die Straße. Unabhängig davon, ob sich diese Vision durchsetzt, die Botschaft ist überall die selbe. "Adidas ist heiß, weil die Marke cool ist," erklärte zuletzt beispielsweise auch Adidas-Chef Herbert Hainer die Zuwendung der Jugend zu Sportschuhen der Marke mit den drei Streifen. Wer etwas auf sich hält, versteckt trendige Treter heutzutage nicht mehr am Sportplatz sondern zeigt sie in der Disco oder in der Kneipe. "Der Übergang zwischen Sport und Mode wird immer fließender," beschreibt der Ispo-Macher und Münchens Messechef Manfred Wutzlhofer den generellen Trend. Und Mode will zelebriert, nicht nur getragen werden. In den Wintersportzentren entstehen immer mehr und immer größere speziell auf die Jugend zugeschnittene Funparks für Snowboarder und Trickskifahrer, sagen Kenner der Szene.

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