Wirtschaft : Das Ausland trägt den deutschen Aufschwung

Der Export steigt kräftig und zieht die Gesamtwirtschaft mit/Inflationsrate steigt auf zwei Prozent

B. Hops/D. Rhee-Piening

Berlin - Weder das teure Öl noch der starke Euro haben den Aufschwung in Deutschland zum Stehen gebracht. Nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal 2004 um 0,6 Prozent gegenüber dem ersten Quartal wachsen. Damit setze „sich die kräftige Erholung der gesamtwirtschaftlichen Produktion fort“, schrieb das DIW in dem am Mittwoch veröffentlichten Konjunkturbarometer. Die positiven Impulse kämen aber „hauptsächlich aus dem Ausland“. Laut Statistischem Bundesamt hat der Export im April um 15,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zugelegt.

Die Auftragseingänge hätten sich trotz des hohen Eurokurses merklich ausgeweitet, sagte DIW-Experte Andreas Cors dem Tagesspiegel. Der Euro hat im Laufe des vergangenen Jahres vor allem gegenüber dem US-Dollar kräftig an Wert gewonnen. Die Wirtschaft befürchtete deshalb einen Einbruch bei der Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen aus Deutschland. Das Gegenteil ist eingetreten. Cors wies darauf hin, dass die Unternehmen oft durch Preissenkungen die Aufwertung ausgeglichen hätten. Die Ausfuhren in Länder außerhalb der EU – vor allem nach Asien – stiegen im April mit 18,2 Prozent überdurchschnittlich stark auf 28,1 Milliarden Euro. Der Export in die EU legte nur um 13,7 Prozent auf 34 Milliarden Euro zu.

Schwachpunkt der Erholung in Deutschland bleibt die Nachfrage aus dem Inland. Zwar rechnet das DIW damit, dass der private Konsum nach vier Quartalen im Minus wieder leicht steigen wird. „Für einen durchgreifenden Aufschwung ist die Binnennachfrage aber noch zu schwach.“ Allerdings schlage sich die Auslandsnachfrage auch in höheren Investitionen in Deutschland nieder. Dadurch dürfte der Arbeitsmarkt anspringen – und in der Folge auch der private Konsum, sagte Cors vom DIW. Der Bundesverband deutscher Banken forderte wiederum die Politik auf, weiter zu reformieren. Mit der Agenda 2010 habe die Bundesregierung einen ersten Schritt getan. Werde nichts weiter unternommen, dann könnte Deutschland bis 2010 der – nach Pro-Kopf-Einkommen – drittschwächste Staat unter den 15 alten EU-Mitgliedern werden. Nur Griechenland und Portugal hätten dann noch schlechtere Werte.

Grund für die schlechte Stimmung dürfte auch der hohe Ölpreis sein. Der trieb die Inflation und kostete dadurch auch Kaufkraft. Nach endgültigen Berechnungen des Statistischen Bundesamts lag die Jahresteuerungsrate im Mai bei zwei Prozent. Im April hatte sie 1,6 Prozent und im März 1,1 Prozent betragen. Grund für den kräftigen Anstieg im Mai seien vor allem die gestiegenen Preise für Heizöl und Kraftstoffe gewesen, teilte das Bundesamt mit. Immerhin zeichnet sich beim Öl etwas Entspannung ab. In London kostete ein Barrel (159 Liter) am Mittwochnachmittag 35,05 Dollar – das war fast ein Dollar weniger als am Vortag. Damit ist das Niveau von Ende April erreicht. Trotzdem bleibt das Öl ein Risikofaktor. Das DIW überarbeite zurzeit seine Wachstumsprognose für das Gesamtjahr auch unter diesem Blickwinkel sagte Cors. Anfang Juli werde das Ergebnis veröffentlicht.

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