Wirtschaft : Das Auslandsgeschäft rettet die Metro

Handelskonzerne Metro und Douglas verfehlen nach einem schwachen Weihnachtsgeschäft ihre Umsatzziele

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Berlin (msh). Die deutschen Einzelhandelskonzerne bekommen die Konsumflaute immer stärker zu spüren. Der weltweit fünftgrößte Handelskonzern Metro verfehlte trotz eines erfolgreichen Auslandsgeschäfts sein Umsatzziel für 2002. Die überwiegend in der Parfümerie tätige Handelskette Douglas konnte im abgelaufenen Jahr ihren Umsatz nur dank Zukäufen steigern und verzeichnete ein enttäuschendes Weihnachtsgeschäft. Die Aktienkurse der beiden Unternehmen gaben am Donnerstag an der Frankfurter Börse deutlich nach.

Das vergangene Geschäftsjahr gilt als eines der schwierigsten Jahre in der Geschichte des deutschen Einzelhandels. Verunsichert von der Wirtschaftskrise und der Diskussion um den „Teuro“ haben die Verbraucher in Deutschland im vergangenen Jahr lieber mehr gespart, als ihr Geld in den Geschäften auszugeben. Nach der Bundestagswahl schockte sie dann die Regierung wegen der angespannten Haushaltsituation mit einer Erhöhung von Steuern und Abgaben. Allein im November sind die Umsätze im gesamten Einzelhandel um sechs Prozent zurückgegangen. Die Ausgaben im Einzelhandel machen fast 20 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus.

Die Düsseldorfer Metro AG steigerte im vergangenen Jahr ihren Umsatz nach vorläufigen Zahlen zwar um vier Prozent auf 51,5 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr. Doch noch im Oktober hatte MetroChef Hans-Joachim Körber einen Anstieg von fünf bis 5,5 Prozent für das Gesamtjahr angepeilt. In einem „schwierigen Marktumfeld“ lag die Umsatzentwicklung „am unteren Rand unserer Erwartungen“, erklärte Körber. Trotzdem bleibe er dabei: der Gewinn pro Aktie soll um zehn Prozent steigen. Analysten bezweifeln, dass Körber dieses Ziel erreichen kann. „In Zeiten von Preiskämpfen ist das sehr ambitioniert“, sagt Volker Bosse, Handelsexperte bei der Hypo-Vereinsbank. Der Kurs der Metro-Aktie gab bis zum Börsenschluss um 3,4 Prozent auf 22,00 Euro nach.

Unter Druck stehen bei der Metro vor allem die Warenhäuser, die mit ihrem hohen Anteil an Textilien besonders unter der Kaufzurückhaltung der Verbraucher leiden. Gut laufen dagegen die Elektronikmärkte Media Markt und Saturn. Saturn traf mit seiner Werbekampagne „Geiz ist geil“ den Nerv der Kundschaft. Im vierten Quartal konnten die Elektronikmärkte den Umsatz nach Angaben der Metro weiter steigern und ihren Marktanteil ausbauen. Erfolgreich ist die Metro auch mit ihren Großmärkten, mit denen der Konzern aggressiv im Ausland expandiert und so für stetiges Umsatzwachstum sorgt. Nach der Eröffnung von Märkten in Japan und Vietnam ist die Metro jetzt in 26 Ländern vertreten und macht 46,3 Prozent seines gesamten Umsatzes im Ausland.

Auch der Douglas-Konzern litt im vergangenen Jahr unter der Konsumzurückhaltung. Besonders der Dezember sei durch das „außergewöhnlich schwache Weihnachtsgeschäft in allen Geschäftsbereichen deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben“, teilte das Unternehmen mit. Der Umsatz der Handelskette stieg 2002 nach ersten Berechnungen nur dank Zukäufen um zwei Prozent auf 2,23 Milliarden Euro. Auf vergleichbarer Verkaufsfläche ergibt sich dagegen ein Minus von 1,8 Prozent. Angaben zum Ergebnis machte Douglas nicht.

Der Douglas-Konzern verkauft neben Parfüms auch Schmuck (Christ), Bücher (Thalia), Süßwaren (Hussel) und Mode. Künftig will sich Douglas auf Parfüms, Schmuck und Bücher konzentrieren, findet aber für die anderen Bereiche derzeit keine Käufer. Kritisch ist die Lage beim Schmuckhändler Christ, der im vergangenen Jahr einen Umsatzeinbruch von zehn Prozent auf rund 390 Millionen Euro verzeichnete. Douglas hatte versucht, mit einem Lifestyle-Konzept mehr Kunden anzusprechen. „Das Lifestyle-Konzept der Parfümerien auf den Schmuckhandel zu übertragen, hat bisher nicht funktioniert“, sagt Handelsexperte Bosse. Auch 2003 rechnet Douglas-Chef Henning Kreke mit einem „schwierigen Jahr für den Einzelhandel“. Trotzdem wolle sich Douglas nicht dem Trend zu Billigangeboten anschließen. „Anstatt sich an Rabattschlachten zu beteiligen, werden wir wie gewohnt Top-Qualität und Top-Ambiente bieten“, sagte Kreke. Der Kurs der Douglas-Aktie verlor bis Börsenschluss um 20 Uhr mehr als ein Prozent auf 15,79 Euro.

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