Wirtschaft : „Das Auto ist keine Jackentasche“ Bosch-Experte zum

Stand der Batterietechnik

Herr Scheider

, hat der Verbrennungsmotor noch eine Zukunft?

Er hat noch viel Zukunft – in den nächsten 20 Jahren wird der Verbrennungsmotor die vorherrschende Technik im Auto bleiben. Wir arbeiten daher intensiv daran, ihn noch effizienter zu machen und den Verbrauch sowie CO2-Emissionen zu reduzieren. Hier sehen wir viel Potenzial.

Wann kommt die Wende zum reinen Elektromotor?

Bald wird jeder Autohersteller Hybridfahrzeuge im Angebot haben. Mit steigenden Stückzahlen werden in zwei, drei Jahren die Preise sinken. Trotzdem bleibt diese Technik für längere Zeit eine Nische. Wir rechnen 2015 mit rund drei Millionen Hybrid- und 350 000 Elektrofahrzeugen bei etwa 90 Millionen Neufahrzeugen im Markt. Auf lange Sicht werden wir einen schrittweisen Übergang vom Hybrid- zum Elektroauto erleben.

Warum dauert es noch so lange?

Ausschlaggebend ist, dass die Lithium-Ionen-Batterie-Technologie an die Anforderungen im Auto angepasst werden muss. Man kann nicht Batterien, die in Laptops oder Handys eingesetzt werden, ins Auto einbauen. Das Auto ist keine Jackentasche. Die Marktreife von Elektrofahrzeugen wächst in dem Maß, wie es Ingenieuren gelingt, die Batterietechnik hinsichtlich ihrer Energie- und Leistungsdichte zu verbessern, um Reichweiten zwischen 100 und 200 Kilometern bis zum nächsten Nachladen zu ermöglichen. Zudem müssen Sicherheit, Gewicht, Kosten oder die Lebensdauer berücksichtigt werden. Bei einem Laptop-Akku sind wir toleranter. Den tauscht man nach drei Jahren aus – im Auto muss die Batterie mindestens zehn Jahre halten.

Ihr Wettbewerber Continental hat mit der Serienfertigung von Lithium-Ionen-Batterien für den S-Klasse-Hybrid von Mercedes begonnen. Ist Continental schneller?

Wir begrüßen den ersten Schritt in Richtung Serienproduktion. Allerdings ist der Weg zum elektrischen Auto weniger ein Sprint denn vielmehr ein Marathon. Um mit Lithium-Ionen-Batterien in einem Voll-Hybrid- oder einem Elektroauto längere Strecken rein elektrisch zurücklegen zu können, sind noch viele Entwicklungsschritte erforderlich.

Haben deutsche Hersteller den Elektrotrend verpasst?

In Anbetracht der Langfristigkeit des Themas – nein. Der Verbrennungsmotor wird seit 100 Jahren weiterentwickelt. So gesehen steht die Entwicklung des Elektroautos erst am Anfang. Zudem forscht Bosch seit 30 Jahren an Hybridantrieben, die nicht in Serie gegangen sind, weil die Technik noch nicht ausgereift und zu angemessenen Kosten darstellbar war.

Wolf-Henning

Scheider
ist seit 2006 Vorsitzender des Bereichsvorstands Gasoline

Systems der Robert Bosch GmbH, dem größten Autozulieferer der Welt.

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